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Wieso Katzen keine Menschen sind...

Wieso Katzen keine Menschen sind...

Beitragvon Samuja am Di 9. Sep 2014, 10:23

Ich sitze hier zu Hause und warte darauf, beim TA anrufen zu dürfen.
Meiner Pflegidame Fitz wird heute das Auge entfernt.
Im Zuge der Vorbereitungen, der Fragen die ich gestellt hab und der Reaktionen, die ich geerntet hab, ist mir eins klargeworden:
Menschen sehen Katzen einfach nur ganz selten so, wie sie wirklich sind.

Sie mischen sich einfach an den falschen Stellen ein.
Klar haben wir irgendwann mal begonnen, Katzen zu domestizieren und müssen nun auch die Verantwortung für die Tiere tragen! Aber tun wir die Dinge die wir tun für uns oder für die Tiere?

Wie oft wurde als Reaktion auf die Entfernung des Auges gesagt: "ihhhh" oder "überlegt Euch das nochmal".
Aber wieso denn? Wieso ist eine Katze, der ein Teil fehlt, keine vollständige Katze mehr?
Wisst ihr, dass wenn einem Tier ein Teil fehlt, die Vermittlungschancen um 70% sinken???? 70% weniger wert ist ein Tier, dem ein Teil fehlt!
Dabei kommen Tiere viel besser klar mit solchen Dingen, als Menschen.
Die sind aber mal völlig besser ausgestattet! Ein Fuß weg - kein Problem, sind ja noch 3 da. Ein Auge weniger - egal.
Wir Menschen sind die, die das nicht könnten! Aber neeee, wir glauben nun, dass die Katzen jetzt nur noch leiden würden.

Ich hab soooooo unenedlich viele Berichte gesehen, die mit folgenden Worten schlossen: "Hätte ich gewusst wie gut das alles wird hätte ich der OP Monate vorher zugestimmt."

Wieso meinen wir Menschen denn immer, die Katzen vor sich selber schützen zu müssen, damit sie nicht behindert sind?

Die Entscheidung, Sam alle Zähne ziehen zu lassen - direkt am selben Tag, als die FORL-Diagnose kam, hab ich nie bezweifelt. Sie war völlig richtig.

Aber das ist ja nicht das einzige Problem.
Da gibts von einer Industrie 1000000 Dinge, die eine Katze engeblich so braucht. Plüsch, Muff, Quiek, Stoff... Zum spielen, zum Haare aus dem Magen machen, zum Zähne reinigen, zum besser riechen - was weiß ich.
Ich sags Euch, ich besitze davon NICHTS! Ich hab kein Katzenspielzeug. Ich hab keien Malzpaste und kein Katzengras, ich besitze keine Katzenhölen, keine Zahnreinigunngssachen und nichts.
Ich hab Futter, Klo und ne Kratzstelle, dazu nen Hundekorb zum Schlafen. UNd wenn ich ehrlich bin, den Korb auch nur, weil ICH den schön finde.

Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, Dinge, die man selber möchte, den Katzen angedeihen zu lassen!! Klar darf Katzenspielzeg her, wenn man das will.
Aber wieso tun wir so, als BRAUCHTEN Katzen das? Tun sie nicht. Wir Menschen brauchen das.

Ebenfalls interessiert mich das Thema Katzenverhalten sehr! Katzen sind mal in erster Linie Raubtiere.
Klar mögen sie Körperwärme und sowas, aber Kommunikation funktioniert bei denen echt ruppig.
Mein 1. Kater Pedro hat sich immer nachts mein Kopfkissen geklaut und mich da runtergebissen. Am Ende hab ichihm ins Ohr gebissen. Recht doll. Er hat gequiekt. Danach hat er an meinem Fußende geschlafen und nie wieder versucht, mich zu beißen.

Katzen sind keine Menschen, und erst recht keine Kinder. Sie haben es verdient, gesehen zu werden, wie sie sind.
Sie opfern lieber an Körperteil, statt ständig zum Doc zu müssen.
Sie dameln ebenso gern mit ein paar losen Blättern wie mit teurem Spielzeug.
Sie kommunizieren rauh und direkt. Und streiten auch gern mal.
Sie essen gern Fleisch, nagen, kauen, jagen.
Sie müssen nicht vor sich selber geschützt werden.
Und sie sterben lieber in Würde, als unwürdig zu leben.

So, Gedankenmüsli abgeschlossen. ;-)

LG; Sam
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Re: Wieso Katzen keine Menschen sind...

Beitragvon samtpfoetchen am Di 9. Sep 2014, 16:54

Schön geschrieben. :cat-top:

Dass "behinderte" Tiere so viel weniger Vermittlungschancen haben ist schrecklich. Ich weiß auch als Mensch selber dass man mit einem Auge (mein rechtes Auge ist ja quasi blind) gut leben kann. Warum sollten Katzen das nicht auch können.

Das einzige was ich sagen muss, kommt nen bissl drauf an ob Freigänger oder Stubentiger. Ich hätte ehrlich gesagt auch bedenken eine eingeschränkte Mieze nach draußen zu lassen, aber ansonsten seh ich da keine Probleme.

Spielsachen haben wir eigentlich viel zu viel und jeder Katzenbesitzer kennt das eigentlich auch, dass meist die gekauften Sachen nur rumliegen und Alltagsdinge oder sogar Abfall viel interessanter sind. Da ist die Nusschale oder der leere Pappkarton viel begehrter als das im Karton gelieferte Plüschkörbchen. Aber manche Spielsachen findet manche Katze auch wieder ganz toll und so testet man als Dosi vieles aus. ;-)
Dino steht z.B. immer noch total auf seine kleinen Bällchen.

Aber ja man sollte sich immer bewusst machen oder im Hinterkopf behalten dass Katzen keine Menschen sind und andere Bedürfnisse haben.
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Re: Wieso Katzen keine Menschen sind...

Beitragvon Mephisto am Mi 10. Sep 2014, 19:05

Ich sehe das genauso! :ja:

Katzen (und auch alle anderen Tiere) haben wohl die gleichen Rechte wie Menschen. Z. B. das Recht auf Leben, auf Freiheit, auf Würde, auf Schmerzfreiheit, auf Pflege und Behandlung. Und sie empfinden auch wie wir Menschen und haben ähnliche Bedürfnisse: Hunger, Durst, Schmerz, Angst, Wut, Freude und Leid. Ich plädiere immer dafür, Tiere und Menschen nicht zu weit voneinander zu entfernen (also in diesen Dingen), denn nur wenn wir in anderen Tieren auch uns sehen, hat der Mensch auch genügend Einfühlungsvermögen, um sich dem Tier und dessen Schutz anzunehmen.

Aber vermenschlichen sollte man Tiere nicht. Sie sind keine Kinder, sie sind keine Menschen. Sie arrangieren sich besser mit den Dingen als wir. Sie können auch auf drei (oder gar zwei) Beinen gut zurecht kommen und das Leben verliert nicht an Wert, nur weil man einseitig oder beidseitig blind ist. Sie leben ihr Leben dennoch und sind wahrlich nicht solche Jammerlappen wie wir Menschen es sind. Wir denken besonders in ästethischen Fragen nur an uns selbst; vergessen aber, dass gerade Tiere diesen Wert in UNS eben NICHT sehen. Meinen Tieren ist es ziemlich egal, ob ich klein oder groß, dick oder dünn bin. Aber nicht nur das. Sie lieben mich ganz gleich, ob ich ein, zwei oder gar keine Augen hätte. Sie geben nichts um "Schönheit" wie WIR sie verstehen. Humpelfuß interessiert eine Katze nicht, auch wenn ich einen Buckel hätte, wäre es ihnen egal. Menschen hingegen wollen immer die perfekte Katze. Sie soll möglichst "komplett und funktionstüchtig" sein. Wir können gerade in diesen Dingen viel von den Tieren lernen. Nicht nur, dass sie sich mit eigenen Makeln hervorragend arrangieren (sie müssen es auch, ja, aber sie machen das Beste draus!), sondern auch, dass sie menschliche Makel vollständig ignorieren. Sie lieben uns immer, egal wie wir aussehen.
Hätten wir alle nur ein Stück davon, ich glaube, wir wären bessere Menschen...

Im Übrigen finde ich die Entscheidung richtig und gut. Ich habe das hier an anderen Stellen schon öfter gesagt, dass ich selber mich immer dafür einsetze, dass Gesundheit und Lebensqualität vor Ästhetik geht. Dabei werde ich immer bleiben.

Daher: Ich hätte es genauso gemacht wie du, Sonja. :cat-top:
:pfote: Liebe Grüße von Bine & den Fellis :pfote:

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Re: Wieso Katzen keine Menschen sind...

Beitragvon blacktiger am Do 11. Sep 2014, 08:57

Da kann ich euch nur recht geben.

Die Gesundheit bzw. Schmerzfreiheit hat gegenüber der Ästhetik Vorrang. Und nachdem was ich bisher mitbekommen habe kommen Tiere auch mit körperlichen Einschränkungen (z.B. Blindheit, fehlender Fuss etc.) sehr gut zurecht. Oft besser als wir Menschen.

Vermenschlichen sollte man Tiere nicht. Man sollte sich immer im Hinterkopf behalten, das Katzen, oder auch andere Tiere, eben anders als wir gestrickt sind. Sie haben andere, fürs Überleben wichtige Denkweisen, Verhaltensarten usw. Und wir als "Dosenöffner" sollten ab und an auch mal versuchen uns in diese Denkweise hineinzuversetzen um unsere Lieblinge, und Ihre Bedürfnisse, ihr Verhalten zu verstehen.

@ Samtpfötchen: Das mit den Spielzeugen kenn ich ;) hab auch viel zu viel. Mein Kater spielt zwar mit allem, aber Madam hat am liebsten nen leeren Karton, oder kleine Papierkügelchen.
Müsste ein italienscher Designer ein Tier erfinden, käme bestimmt eine Katze dabei heraus. Sie ist windschnittig und einfach das schönste Tier auf der Welt.

Zitat von Akif Pirincci

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Re: Wieso Katzen keine Menschen sind...

Beitragvon Samuja am Do 11. Sep 2014, 09:30

Es gibt Vermenschlichungen, die schaden nicht.
Sei es das Spielzeug. Ich hab ja die Theorie, dass Katzen uns den Gefallen tun, damit manchmal zu spielen, damit wir uns gut fühlen ;-)
Oder irgendwelche Kuscheldecken und Co... soll der Dosi doch sammeln, wieso nicht.

Aber es gibt welche, die Schaden zufügen.
Grad die Ästhetik-Sache! Oder auch, wenn Katzen mit Kleidung ausstaffiert werden.
Da muss man einfach unterscheiden.

Auch das Loslassen ist sowas. Klar ist es tieftraurig, wenn eine Katze gehen muss, aber ich kann nicht nachvollziehen, sie immer wieder schmerzhaften Behandlungen auszusetzen, statt sie zum richtigen Zeitpunkt in Würde gehen zu lassen.
Meine Tiere haben mir IMMER angezeigt, wann sie nicht mehr wollten. Ich muss nur drauf hören.
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Re: Wieso Katzen keine Menschen sind...

Beitragvon Ajoscha am Do 11. Sep 2014, 12:00

Leider gibt es immer noch zu viele Menschen die auf "Ästhetik" aus sind

"Tierfreunde" und "Tierfreunde" muß man unterscheiden können. Uns im Forum steht das Wohl der Tiere im Vordergrund,kaum jemand möchte sich mit ihnen "schmücken".

Leider "handeln" viele Menschen aus Egoismus.Sonja,ich stimme Dir voll zu,was das "loslassen" angeht.

LG :cat7:
Ajoscha
 

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