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Was der Herrgott nicht sieht

Was der Herrgott nicht sieht

Beitragvon mike1024 am Di 8. Mai 2012, 22:16

Was der Herrgott nicht sieht

Es heisst, dass manche Menschen sehr erfinderisch sind, um allen möglichen Dingen ein Schnippchen zu schlagen.
Sie mögen Erfolg dabei haben oder auch nicht.
Auf jeden Fall werden in der Regel alle Tricks versucht, um an das Objekt der Begierde zu kommen.
Unsere Samtpfoten machen da keine Ausnahme...

*
Nun hat sich Edward mittlerweile eingelebt, auch mit Miezka verträgt er sich sehr gut. Obwohl sie sehr häufig an Mowgli’s Lieblingsplätzen schnüffelt und nach ihm sucht, so spielt sie mit Edward und leckt ihm auch gelegentlich das Fell.
Edward ist ja auch fast Pflegeleicht, bis auf die Tatsache, dass er in alles reinbeisst, was ihm zwischen die Krallen gerät. Aber er muss eben noch lernen.
Auch beim Futter ist er nicht wählerisch, was ich ihm hinstelle, wird gnadenlos niedergemacht. Er bekommt dasselbe wie Miezka. Ein einziges mal habe ich versucht, ihm so genanntes Juniorfutter in den Napf zu füllen, jedoch war er kaum in der Lage, davon etwas zu sich zu nehmen, denn auch Miezka weiss, was gut schmeckt.
Nun denn, da er nicht wählerisch ist, gibts für ihm eben dieselbe Verköstigung wie für Miezka.
Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, gehöre ich auch nicht zu den Kostverächtern.
Nur hatte ich an jenem bewussten Freitag nicht gerade Ambitionen, gross angelegte Kochaktionen zu starten. Also gibt’s mal ganz einfach schwäbische Ravioli, also Maultaschen in der Brühe.
Das schmeckt und geht schnell. Es heisst ja, die Schwaben hätten Maultaschen erfunden, um Freitags ungestraft Fleisch essen zu können. Denn in der Teigtasche würde der Herrgott das Fleisch nicht sehen.
Ich bin nicht gläubig, daher esse ich Maultaschen an jedem Wochentag und dass Freitag ist, das ist purer Zufall.
Normalerweise mache ich Maultaschen selber, aber es sind keine mehr im Gefrierschrank, folglich wird eine fertige Packung beim benachbarten Lebensmitteldiscounter käuflich erworben.
Zuhause wird die Packung erst mal auf die Küchenarbeitsplatte gelegt und Wasser für die Brühe aufgesetzt.
Das Katzenvolk überwacht mich dabei argwöhnisch, eventuell auch mit dem Hintergedanken, dass bei meinen Küchenumtrieben ein schmackhafter Happen abfallen könnte.
Aber nein Kätzchen, Maultaschen mögen Samtpfoten doch nicht, ausserdem habt ihr doch noch genug Futter im Napf.
Doch die Beiden sind entweder taub oder der deutschen Sprache nicht mächtig, jedenfalls endet die felide Überwachung keinesfalls, sondern wird eher noch intensiver fortgesetzt.
So, jetzt ist das Wasser heiss und das Pulver für die Brühe kann rein, dann anschliessend die Maultaschen aus der Packung nehmen und in die heisse Brühe geben.
So der Plan.
Doch Pläne können sich ändern.
Sie können sich vor allem dann ändern, wenn die Herren des Hauses einem auf vier Pfoten und mit fordernden Maunzlauten um die Beine streichen.
Sie ändern sich dann sogar mit Sicherheit!
Miezka streicht mir weiterhin um die Beine und schaut mit erwartungvollem Blick zu mir auf.
Nicht so der schwarze Irrwisch.
So klein der ist, schafft er es doch mit einem gewaltigen Satz auf die Arbeitsplatte.
Ehe ich überhaupt zu irgendeiner Reaktion fähig bin, schnüffelt das krallenbewehrte Fellbündel an der geöffneten Packung und versucht, an einer Maultasche ein Stück abzubeissen.
He, hallo, aber sofort runter!
Katzen haben auf der Küchenarbeitsplatte nichts verloren!
Und falls du's nicht verstanden hast, das gilt auch für Kater!
Irgendwie scheint das Raubtier schon erkannt zu haben, dass er etwas verbotenes gemacht hat, jedenfalls springt er sofort wieder auf den Boden.
Doch Ruhe ist damit noch lange nicht.
Aus ist's mit um die Beine streichen und sehnsuchtvoll maunzen.
Jetzt wird versucht, an meinen Beinen hochzuklettern.
Denkt er, dass ich ihn dann nicht mehr runtersetze? Da, mein Lieber, hast du dich getäuscht!
Miezka indes hat sich zurückgezogen, wohl wissend, dass sie eine eventuell erfolgreiche Betteltour starten kann, sollten sich die Speisen demnächst auf meinem Teller befinden.
Doch der Kleine will jetzt was haben. Jetzt! Nicht später.
Um daher seinem Ansinnen den nötigen Nachdruck zu verleihen, wird begonnen, mir die Hose zu zerkratzen.
Ha, Dosi wird schon sehen, was er davon hat, wenn er nichts abgibt!
Na schön, dann probier mal einen kleinen Happen.
Ein kleines Stück Maultasche halte ich ihm vor die Nase, aber der schnüffelt nicht mal daran.
Mit einem Happs hat er das ganze Stück verschlungen.
Na, hat's dir geschmeckt?
Scheinbar, denn er bettelt weiter. Was soll das denn jetzt, ich kann ihn doch nicht mit Maultaschen voll stopfen. Aber er besteht darauf, sehr vehement.
Also gut, noch eines. Hoffentlich ist das nicht irgendwie schädlich, schliesslich ist ja auch Teig dabei.
Und so vertilgt der kleine Edward in kurzer Zeit eine komplette Maultasche.
Am nächsten Tag beobachte ich Edward genau. Nein, es hat keinerlei Folgen, weder Durchfall noch Verstopfung.
Also, wenn das so ist, und er möchte, bekommt er gelegentlich ein Stück Maultasche.
Vielleicht ist er fromm geworden oder er will verheimlichen, dass er ein Kater ist und der Herrgott soll nicht sehen, dass er Fleisch frisst. Meinetwegen, wenn’s ihm nicht schadet und er es mag...
So der Plan.
Aber wie gesagt, Pläne...
Der Kater versucht so oft es geht, an Maultaschen zu kommen, nicht nur Freitags.
Für mich und meine Vorliebe für Maultaschen sieht's da nicht besonders gut aus.
Denn das sind schon keine Bettelaktionen mehr sondern massive Raubüberfälle.
Jedenfalls habe ich experimentell den Futternapf mit Maultaschenstückchen gefüllt.
Die waren schneller weggeputzt als das beste Premiumfutter.
Wie soll das bloss enden?
Wie das endet?
Keine Ahnung, solange es der Herrgott nicht sieht...
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mike1024
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