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King Edward

King Edward

Beitragvon mike1024 am Sa 5. Mai 2012, 20:05

King Edward

Es geschehen zuweilen Dinge, die man nicht voraussehen kann.
Esoteriker reden dann gerne von magischen Kräften, Energien und ähnlichem.
Für rationale Lebewesen ist das alles Humbug und blanker Unsinn.
Denn wer glaubt den in unserer aufgeklärten Zeit an Magie?
Wer denn?
Eventuell unsere samtpfötigen Begleiter.

*
Manchmal gibt es Momente im Leben da glaubt man, es würde einem der Boden unter den Füssen weggezogen.
Genau so ging es mir.
Mowgli ist gestorben. In meinen Armen. Ich konnte ihm nicht helfen.
Die Tage danach lief ich wie in Trance herum, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können.
Auch Miezka war total durch den Wind, überall hat sie ihren geliebten Mowgli gesucht.
An all seinen Lieblingsplätzen hat sie geschnüffelt.
Miezka und ich, wir haben uns in so ein mentales Schneckenhaus zurückgezogen.
Mehrmals kriecht sie nachts zu mir unter die Bettdecke, was sie noch nie gemacht hat.
Es war klar, dass irgendwann ein neues Kätzchen kommen würde.
Irgendwann, nicht jetzt.
Kein Ersatz für Mowgli, sondern ein neues Kätzchen.
Nun ja, das Leben muss weitergehen, also stürze ich mich in die Arbeit, das lenkt ab.
Es ist kurz vor Weihnachten und es gibt da jede Menge zu erledigen.
Es müssen Einkäufe erledigt werden und was der Dinge noch mehr sind.
Dass ich dabei immer die "Zypresse", jene Zeitung mit Kleinanzeigen, mit nach hause nehme versteht sich von selbst.
Und im vorweihnachtlichen Trubel komme ich tatsächlich dazu, einen Blick in die bewusste Zeitung zu werfen.
Auch in die Rubrik "Tiermarkt".
Da ist eine Annonce: "Katerchen, 12 Wochen alt, zu verschenken.", dazu eine Telefonnummer.
Nein, ich bin noch nicht soweit, Mowgli ist noch zu nahe.
Die Zeitung wird beiseite gelegt.
Einige Tage vergehen und das Ganze geriet fast in Vergessenheit.
Fast!
Denn einige Tage vor Weihnachten ruft mein Bruder an.
Er ist Sozialarbeiter und hat viel mit schwer erziehbaren Jugendlichen zu tun.
Und er weiss von Mowglis Tod.
Wir reden über dies und das, wie's mir jetzt ginge und wie's Miezka ginge.
Und dann lässt er im wahrsten Sinne des Wortes die Katze aus dem Sack.
Ja, er kenne da eine Einrichtung für Problemjugendliche in meiner Gegend, die hätten junge Kätzchen.
Oh nein, jetzt noch nicht, es ist zu früh!
Trotzdem gibt er mir die Telefonnummer der Leute.
Na schön, ich schreib's halt auf, dann ist Ruhe.
Aber schon beim Aufschreiben, kommt mir die Nummer seltsam vor.
Das geht mir jetzt nicht aus dem Kopf.
Erst Stunden später komme ich drauf: Die Nummer ist gleich oder so ähnlich wie die aus der Zypresse.
Das muss kontrolliert werden. Die Zeitung hab ich ja noch.
Beim Vergleich trifft mich fast der Schlag: Es IST dieselbe Nummer!
Ist das jetzt ein Wink mit dem Zaunpfahl des Schicksals?
Hmmm... mal nachdenken...
Ist das jetzt Vorsehung?
Hat sich jetzt eine Fellnase aus der Ferne telephatisch gemeldet?
Ich muss mehr darüber nachdenken.
Doch diese intensive Meditation führt zu keinem verwertbaren Ergebnis.
Was mach' ich nur, was mach ich nur,
Ich weiss mir keinen Rat,
ich brate mir ein Spiegelei
und spring in den Spinat!
Egal, anrufen kann ich dort ja mal.
Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine Männerstimme.
Als ich nach den Kätzchen frage, wird der Hörer an seine Frau weitergereicht.
Und die gibt auch bereitwillig Auskunft.
Ja, eines wäre noch da, ein Katerchen, 12 Wochen alt.
Und klar, könnt ich's anschauen.
Als ich nach dem Wohnort frage, kommt als Antwort, ja, das wäre nicht einfach zu finden, wie ich denn hinkäme?
Da ich seit einiger Zeit nicht mehr im Besitz eines fahrbaren Untersatzes bin und auch angesichts der erheblich gestiegenen Treibstoffpreise nicht gedenke mir wieder ein solches anzuschaffen, werde ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen.
Denn der derzeitige Wohnort des Katerchens ist einige Kilometer vom Schluchsee entfernt und bis zum Schluchsee geht der bundesdeutsche Schienennahverkehr.
Die Frau bietet mir an, sie könne mich vom Bahnhof abholen.
Das ist mal ein Angebot!
Na dann, vorsichtshalber wird mal die Transporttasche mitgenommen, denn wer weiss, wer weiss...
Miezka soll zuhause bleiben.
Und so geht die Fahrt in Richtung Seebrugg am Schluchsee.
Es ist ja kurz vor Weihnachten und hier in der Stadt ist es zwar kalt, aber es liegt so gut wie kein Schnee. Doch der Schluchsee liegt fast 1000 Meter hoch und je höher sich die Lokomotive samt Wagons ihren Weg bahnt, um so weisser wird die Landschaft.
Bereits auf halber Höher ist alles tief verschneit, ein richtig malerischer Winterwald.
Nach einer gefühlten Endlosigkeit kommt der Zug endlich in Seebrugg an.
Dicke, schwere Flocken fallen.
Nochmal rufe ich die Familie vom Handy aus an, dass ich jetzt da wäre.
Es dauert eine viertel Stunde, bis ein Geländewagen auf das Bahnhofsareal fährt.
Es ist Frau S. Eine kurze Begrüssung, dann geht’s weiter.
Das Anwesen liegt ungefähr 6 Kilometer von Seebrugg entfernt. Es ist ein ehemaliger Bauernhof in dem die Familie Problemjugendliche betreut.
Es gibt auch Tier hier, vor allem Ziegen und Gänse, als so genannte Therapietiere für die Jugendlichen.
Alles ist rustikal und alternativ eingerichtet.
Im Wohnzimmer liegt auf der Bank eine schläfrige Katze, Junge kann ich nicht entdecken.
Auch ein Hund ist da, der erst mal den Besuch beschnüffelt.
Dann bringt ein Mädchen ein schwarzes pelziges Etwas, mit den Worten: "Das ist er."
So klein ist er und versteht nicht, was das jetzt soll.
Er ist schwarz, mit einem weissen Brustfleck und irgendwie auffälligen "Geheimratsecken" auf der Stirn. Und wie er mich anschaut!
Dann beginnt er an meinem Finger zu knabbern.
Jetzt will er wieder runter. Oder doch nicht? Denn er streicht mir um die Beine.
Also egal, den nehm' ich mit! Er ist noch klein, daher wird sich Miezka schon mit ihm vertragen.
Tja, und sie wollen ihn wirklich verschenken?
Ja, wollen sie. Natürlich habe ich Fragen und dies werden auch bereitwillig beantwortet.
Er ist stubenrein, selbstständig und beim Futter nicht wählerisch. Nur geimpft ist er nicht.
Hat er einen Namen?
Ja, er heisst Edward. Edward? Seltsamer Name für einen Kater, aber was soll's.
Kurzfristig spiele ich mit dem Gedanken, ihm einen anderen Namen zu geben, aber dann entscheide ich spontan, dass es bei Edward bleiben soll. Ich hab das bei Mowgli auch so gehalten, also bleibt's bei Edward.
Eine Weile unterhalten wir uns noch, dann will mich Frau S. zum Bahnhof zurückfahren.
Edward kommt in die Transporttasche.
Bei dem Mädchen, das ihn gebracht hat, bemerke ich tränen in den Augen, offensichtlich hat sie sich um Edward gekümmert.
Doch ich hinterlasse meine Telefonnummer, so können wir in Kontakt bleiben.
Auf der Fahrt zum Bahnhof verhält sich Edward ganz still.
Aber beim warten auf den Zug schaut er doch neugierig durch die Gitter der Transporttasche.
Im Zug wird er dann unruhig und will raus, denn das alles ist schon ziemlich ungewohnt für ihn. Na schön, du darfst kurz raus. Draussen fliegen die verschneiten Bäume vorbei und von drinnen schaut sich Edward die weisse Pracht an. Er sitzt ganz ruhig auf meinem Arm und schaut nur interessiert nach draussen.
Doch schliesslich wird es immer weniger weiss, bis der Schnee ganz verschwindet.
Endlich sind wir wieder zurück und Edward muss wieder in die Transporttasche, allerdings jetzt mit einigem Widerwillen. Uns steht noch eine kurze Fahrt mit der Strassenbahn bevor.
Was jetzt kommt hat das kleine Fellbündel noch nie gesehen. Auf dem Bahnsteig sind eine Menge Leute, doch der zeigt keinerlei Furcht, eher so etwas wie unverhohlene Neugier. Doch er muss in der Tasche bleiben. Die Fahrt mit der Strassenbahn dauert nur wenige Minuten, dann sind wir zuhause.
Dort angekommen wird die Tasche mit Edward erst mal abgestellt, er soll erst mal eine Weile drin bleiben. Sofort kommt Miezka angerannt und beäugt und beschnüffelt mit vorsichtiger Neugier das seltsame Ding in der Tasche. Nein, Mowgli ist das nicht, das ist jemand anderes.
Jemand anderes faucht erst mal in der Tasche, vorsichtshalber. Miezka faucht zurück, aber nur kurz, denn das Fremde bleibt in der Tasche, also keine Gefahr.
In der Zwischenzeit habe ich Muse um das Katzenklo komplett zu reinigen und neu aufzufüllen, ebenso den Futternapf.
Miezka jedoch lässt den Futternapf Futternapf sein und lässt sich vor der Transporttasche nieder, vorsichtshalber. Man weiss ja nie...
So, jetzt wird’s aber Zeit Edward rauszulassen, damit der sein neues Heim erkunden kann.
Als erstes setze ich Edward mal ins Katzenklo, damit er gleich weiss wo das ist.
Er schnüffelt an dem frischen Granulat, dann macht er sich auf Erkundungstour.
Und genau diese Erkundungstour führt ihn am Futternapf vorbei. Das riecht ja lecker, man könnte da ja gleich ein Häppchen zu sich nehmen.
Dachte er wohl. Doch Miezka hat sehr wohl eruiert, dass jemand anderes nicht mehr in der Transporttasche ist, sondern sich mit hungrigem Blick dem Futternapf unaufhaltsam nähert.
Das kann auf keinen Fall geduldet werden. Aber so klein wie der ist, dürfte ein kurzer Faucher genügen. Nur faucht das schwarze Etwas zurück! Nicht heftig, er ist ja noch klein, aber er faucht zurück. Ojweh, hoffentlich geht das gut.
Nun ja, gut ist relativ, jedenfalls lässt die rot-weiss Getigerte den Minipanther dann ungestraft eine kleine Zwischenmalzeit nehmen. Doch als sie ihm zu nahe kommen will, buckelt der und faucht ziemlich heftig.
Gute Güte, da hab ich mir ja was eingebrockt.
Den Rest des Tages untersucht Edward die Wohnung, immer von Miezka verfolgt. Doch sie faucht nicht mehr, aber der Kleine, wenn sie ihm zu nahe kommt.
Mal sehen wie das weitergeht.
In der nacht kommt Miezka wie immer in's Bett. Aber trippeln da nicht auch noch kleine Pfoten irgendwo? Gut möglich, denn in der Dunkelheit sehe ich nichts.
Mitten in der Nacht wache ich durch ein Gezerfe auf. Doch dann ist alles wieder still.
Der Morgen naht und irgendwann geht der Wecker.
Also erst mal das Katzenvolk versorgen, dann wird man weitersehen.
Oh, im Katzenklo sind Hinterlassenschaften die nicht von Miezka stammen, also hat es der Kleine in der Nacht benutzt. Bingo!
Dann mal den Futternapf füllen.
Und dann... Ja dann lässt Miezka ihrem neuen Hausgenossen beim Frühstück ohne jeden Kommentar den Vortritt. Und so verspeisen beide Stubentiger gemeinsam und friedlich ihr Frühstück!
Nach einer Nacht! Das gibt’s nicht!
Offenbar hat Edward Miezka erklärt wer jetzt der König ist.
Er, King Edward!
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