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Wir wollen sein ein einig Volk

Wir wollen sein ein einig Volk

Beitragvon mike1024 am Fr 26. Feb 2016, 19:04

Wir wollen sein ein einig Volk

Revier ist Revier, da gibt es nichts daran herumzudeuteln.
Und Freunde sind da immer willkommen.
Freunde, nur Freunde!
Alles andere ist sowieso nur mit einer gehörigen Portion Misstrauen zu betrachten.
Da ist es nicht ganz so abwegig, sich für die Zukunft Gedanken darüber zu machen, was denn wäre, wenn man unversehens zwischen die Fronten gerät...

*
Oh nein, nicht schon wieder! Ist tatsächlich wieder ein Jahr rum?
Es scheint so, denn unten an der Eingangstür hat der Hausmeister einen Mitteilung angeheftet:
Demnächst käme eine Firma, um die Heizungszähler abzulesen.
Jedes Jahr dasselbe Theater, sie kämen zwischen 12 Uhr und 16 Uhr.
Können die sich nicht ein wenig, nur ein kleines Bisschen, präziser ausdrücken?
Die Jahre davor habe ich immer stundenlang warten müssen, bis sich die Herrschaften bequemten, ihre Aufwartung zu machen. Der eigentliche Akt des Ablesens geschieht dann schneller als das Katzenmachen, in wenigen Minuten ist alles erledigt.
Einzig meine Fellnasen freuen sich daß ich zuhause bleiben muss.
Letztes Jahr haben sie zwar erst mal gefaucht, als zwei Fremde die Wohnung betreten haben, doch dann war alles in Ordnung. Viele Leute haben mir erzählt, daß sich ihr felides Volk versteckt, wenn unverhofft Fremde in ihr Refugium eindringen. Nicht so bei mir. Sie haben die Aktivitäten der Ableser misstrauisch und mit Argusaugen verfolgt, damit von denen ja auch keiner irgendwo seine Markierung setzt oder sonst irgend etwas aus kätzischer Sicht illegales anzustellen versucht.
Nun denn, jedenfalls kann ich, bis die Ableser kommen, mit den Miezen ein klein wenig spielen. Die Spielangel wird sehr schnell langweilig, doch der Laserpointer ist immer der Bringer. Wenigstens solange, bis Belle unter der Couch ein kurzes Stück Schnur entdeckt. Das muss sofort erjagt und erlegt werden. Kleine Schnurstücke sind ja auch sooo gefährlich!
Die Zeit schleicht nur so dahin. Endlich nach gefühlten fünf Ewigkeiten, also zwei Stunden, klingelt es an der Wohnungstür.
Und tatsächlich es sind die Herren der Ablesefirma. Sie kommen immer zu zweit, denn einer alleine darf keine Wohnung betreten.
Eigentlich habe ich erwartet, dass meine drei Hausterroristen wieder ein Fauchkonzert veranstalten und dann anschließend ihre Beobachtungsposten beziehen.
Doch diesmal nicht!
Als die beiden Herren hereinkommen, wird nicht nur ein wenig gefaucht, sondern das Fauchen nimmt so richtig aggressive Züge an. Die drei stehen nebeneinander wie die Orgelpfeifen und wollen ganz offensichtlich den Herren den Zutritt absolut verweigern.
Ich weiß erst mal nicht was ich tun soll.
Von Hunden kennt man ja ein solches Revierverhalten aber was sich hier mit gesträubtem Schwanz und Fell, gebuckelt und fauchend den Eindringlingen in den Weg stellt sieht zumindest optisch nicht gerade nach Hund aus.
Nun habe ich ja Edward schon im Kampf mit einem fremden Kater erlebt, doch ich denke, das war eine ganz andere Ausgangsituation.
Jedenfalls trauen sich die beiden Ableser nicht mehr nur auch einen Schritt zu bewegen.
Was mich betrifft, so bin ich mit dieser doch etwas unerwarteten Situation leicht überfordert, um es mal milde auszudrücken. Einer der Herren meint, daß das alles nicht helfen würde, denn Auftrag sei Auftrag und sie müssten einfach an die Heizkörper und an den Warmwasserzähler. Das ist mir ja schon klar und ich bin fieberhaft am überlegen, wie ich die drei Teppichtorpedos ablenken könnte.
Vielleicht helfen Leckerlis. Ich habe da diese Paste, auf die sind alle drei scharf, wie der Teufel nach der armen Seele. Während ich die Herren verbal zu beruhigen versuche und gleichzeitig den Küchenschrank öffne, geht mir das Verhalten der Miezen durch den Kopf.
Gut, die beiden Kater haben manchmal Knatsch miteinander, vor allem wenn einer was macht, was dem anderen nicht passt, doch über allem steht Belle als diktatorische Chefin des Hauses.
Doch in der Regel macht jeder das, was ihm gerade einfällt, zum Beispiel Unfug, um mich zu ärgern oder mich nächtens wach zu halten.
Doch jetzt stehen sie wie ein Mann, aäh..., Verzeihung, wollte sagen wie eine Katze, zusammen gegen zwei ausgewachsene Männer. Ich kann nur hoffen, daß das nicht eskaliert, denn schon gegen eine der kratzenden Furien hat selbst ein ausgebildeter Einzelkämpfer kaum eine Chance und schon gar nicht gegen drei dieser Sorte.
Endlich habe ich die Beutel mit der Paste in den Fingern. Der Napf steht ja auch in der Küche und so drücke ich gleich drei dieser Beutel darin aus.
Ha, richtig getippt, sofort kommen sie mit einem Satz her und stürzen sich auf das leckere Zeug. Die Ableser können jetzt mit ihrer Arbeit beginnen, was sie auch sofort und mit fast ängstlichen Blicken tun. Nur eines ist auffällig. Entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten konzentriert sich das Katzenvolk nicht vollständig auf das schmackhafte Angebot. Immer wieder wird kurz aufgeschaut und nach den fremden Eindringlingen Ausschau gehalten.
Gut, wenn nichts weiter passiert, dann soll’s recht sein.
Glaubte ich wenigsten.
Doch glauben kann man in der Kirche.
Einer der Ableser ist jetzt nämlich am Heizkörper neben meinem Schreibtisch.
Und eben diesen Schreibtisch benutzt Belle mit Vorliebe, um darunter Spielsachen zu verstecken. Man sollte nicht glauben, was ich da schon alles gefunden habe. Doch vorsichtshalber will ich da lieber nicht ins Detail gehen.
Jedenfalls beugt sich der Ableser hinunter um die Digitalanzeige des Messgerätes abzulesen, da stürzt Belle mit einem fürchterlichen „Miaoooooo“ und mit Lichtgeschwindigkeit aus der Küche und dem Ableser mit ausgefahrenen Krallen direkt ans Bein. Fast eben so schnell sind die beiden Kater bei ihr. Frei nach dem Motto: Wie wollen sein ein einig Volk von Brüdern! Der Ableser lässt ein lautes und erschrockenes „Aua!“ hören und versucht Belle abzuschütteln. Die lässt nicht locker und bekommt sofort Schützenhilfe von Edward und Tapsi. Jetzt habe auch ich meine Schrecksekunde überwunden und kann reagieren. Edward und Belle erwische ich mit mittlerweile geübtem Griff im Nackenfell, wodurch Sie fast augenblicklich in Beruhigungsstarre verfallen. Zwar immer noch lauf maunzend, doch immerhin habe ich beide. Mit der Zeit lernt man solche Tricks, vor allem wenn es notwendig ist, daß sie in die Transportbox müssen.
Nur, was jetzt? Geschirr anlegen geht nicht, denn bis ich das gemacht habe, hat der sonst so friedliche Tapsi den Mann plattgemacht. Und die Transportboxen sind auch nicht in der Nähe, dafür brauche ich sie zu selten. Doch Edward und Belle verhalten sich jetzt ruhig, ich bin ja auch kein fremder Eindringling. Und so kann ich die Beiden zusammen unter meinen linken Arm klemmen. Es mag unangenehm für sie sein, doch es geht jetzt einfach nicht anders. Ich kann mir dieses aggressive und absolut unkätzische Verhalten einfach nicht erklären. Vor allem, weil alle drei wie abgesprochen zusammenhalten, wie eine gut trainierte Elitetruppe. Wie gesagt, wir wollen sein ein einig Volk...
Jedenfalls bekomme ich mit der Rechten dann auch problemlos Tapsi am Nackenfell zu fassen und kann ihn am Boden ruhigstellen. Jetzt bemerke ich auch, daß sich der Mann die Hand hält, auf seinem Handrücken sind einige Kratzer zu sehen. Ich kann ihm nicht helfen, wenn ich die felligen Einzelkämpfer loslasse, bringen die ihn womöglich noch um.
Ich stammle nur noch irgend etwas von Entschuldigung und das ich auch nicht wüsste, was in die Drei gefahren wäre und im Bad wäre Pflaster, aber er müsste sich das schon selber holen.
Die beiden Ableser sind sichtlich verstört. Der andere erwähnt kurz, daß sie ähnliches schon erlebt hätten, nur eben mit Hunden, noch nie mit Katzen.
Ich weiß auch nicht, was ich dazu sagen soll.
Jedenfalls ist die eigentliche Ableseaktion ja erfolgreich beendet worden.
Und wenn noch was wäre, sie wüssten ja, wo ich wohne.
Das jetzt, kommt bei den Beiden nicht so gut an. Nein nächstes Jahr würden andere Ableser kommen, bei mir würden sie sich nie wieder blicken lassen!
Fast fluchtartig verlassen sie die Wohnung
Gehört habe ich nichts mehr von ihnen.
Wenn jetzt jemand denkt, für die drei Handgranaten mit Fellbezug sei die Sache erledigt gewesen, der irrt.
Denn alle drei saßen fast eine Stunde innen vor der Wohnungstür und haben gelauscht und gemaunzt.
Was sie gemaunzt haben kann ich nur vermuten, vermutlich frei nach Friedrich Schiller: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern...“
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mike1024
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