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Viel Afrika...

Viel Afrika...

Beitragvon mike1024 am Sa 11. Jul 2015, 07:09

Viel Afrika...

Die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal, so dichtete der Liedermacher Reinhard Fendrich in einem seiner Songs.
Da kann ich ihm nur zustimmen.
Nun liegt ja der Ursprung der Felidae auch in temeraturmäßig gehobenen Gefilden.
Doch auch für sie ist es manchmal des Guten zuviel.

*
Also, hier herrschen geradezu afrikanische Verhältnisse!
Irgendwie ist es wohl zu einer Art südwärts gerichteter Kontinentalverschiebung gekommen, anders sind die derzeitigen Temperaturen nicht erklärbar.
Es ist bereits 21:30 Uhr und die Hitze hängt in der Wohnung als hätte ich in jedem Zimmer einen Saunaofen unter Vollast laufen. Ich muss raus! Eventuell besteht eine, wenn auch geringe Möglichkeit, dass es draussen um einige zehntel Grad kühler ist.
Dann könnte ich in den Seepark und mir am Kiosk, respektive der Gartenwirtschaft, ein kühles Bierchen genehmigen.
Genau, das würde mir jetzt zupass kommen.
Gestern war niemand der Fellnasen draussen, es ist tagsüber einfach zu heiss.
Also soll das Katzenvolk auch heute zuhause bleiben, es ist immer noch sehr, sehr warm.
Doch die drei kommen sofort angerannt, als das Klimpern des Schlüsselbundes hörbar wird.
Seltsam, seltsam, eine Sekunde vorher sind sie noch völlig apathisch wie Bettvorleger herumgelegen und nun hat dieses Klimpern anscheinen die gleiche Wirkung wie eine gewaltige Überdosis Adrenalin.
Schön, einer darf mit, aber wehe, wenn der sich dann beschwert...
Heute wäre Edward dran. Dann mal los, versuchen wir’s einfach.
Geschirr und Leine anlegen und abmarsch.
Es könnte allerdings problematisch werden.
Denn ob der Hitze habe ich nur ein leichtes Hemd an und den Rucksack will ich deshalb auch nicht mitnehmen.
Das Hemd mit dem selbstgeschneiderten Kunstlederkatzenschutz ist ebenfalls viel zu warm.
Ich kann nur hoffen, dass Edward nicht seine Bewaffnung ausfährt, das könnte dann doch etwas unangenehm werden.
Doch wenn das jetzt funktioniert, werde ich mit den Krallenmonstern einfach abends rausgehen, zumindest so lange die Hitze anhält.
Es spielt sich die übliche Zeremonie ab, denn bis heute habe ich den dreien nicht klarmachen können, dass alle zusammen nur dann mitkönnen, wenn wir einige Tage wegbleiben.
Tapsi schaut vorwurfsvoll, sehr vorwurfsvoll, das hat er so richtig drauf.
Belle versucht, an meinem Bein hochzuklettern und nur mit viel Mühe kann ich sie dazu bringen, von dieser für mich schmerzhaften Prozedur abzusehen.
Das wird eine Menge Leckerlies brauchen, wenn ich wiederkomme!
Denn sonst könnte es gut sein, dass sie mich drei Tage mit dem Arsch nicht mehr anschauen.
Und das, das haben alle drei drauf!
Jedenfalls ist es schon kurz vor Sonnenuntergang, als ich, den Schwarzbepelzten geschultert, das Haus verlasse.
Draussen ist es... kühler? Na ja, wenn, dann auf jeden Fall nicht messbar.
Doch die Sonne ist schon dicht so über dem Horizont, da brennt sie Edward nicht mehr direkt auf den Pelz.
Der hat sich faul auf die Schulter gelegt.
Einige Häuser weiter ist eine Apotheke mit einer Leuchtanzeige, welche auch die aktuelle Temperatur anzeigt.
Ein kurzer Blick genügt: 29,4 Grad und das um halb zehn abends!
Wo sind wir hier, in der Sahara?
Hier ist definitiv viel Afrika!
Edward jedenfalls liegt ganz ruhig auf der Schulter. Die Krallen hat er eingezogen, zum Glück für mich.
So erreichen wir den See.
Ein seltsames Geräusch auf meiner Schulter erregt meine Aufmerksamkeit.
Ein Seitenblick genügt. Edward hechelt. Scheisse!
Wenn Katzen hecheln ist das kein Zeichen von Durst, sondern von Überhitzung.
Das kann gefährlich werden. Was tun? Zurück nach hause sind’s 200 Meter, das ist zu weit, ich muss sofort was tun.
Geistesblitz!
Es sind noch einige Meter bis zum See.
Katzen mögen kein Wasser, doch darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.
Edward lässt sich auch kommentarlos von der Schulter nehmen.
Vorsichtig tauche ich seine Pfoten am Ufer in das kühlende Nass, nur die Pfoten.
Der Kater protestiert nicht einmal.
Dann wieder auf den Arm nehmen und nach einigen Sekunden nochmal die Pfoten in’s Wasser.
Das war genau das Richtige! Er hat aufgehört zu hecheln und fängt auch an zu protestieren, als ich seine Pfoten ein drittes Mal in’s Wasser tauchen will.
Ok, genug jetzt, wir gehen nach hause.
Das geplante Bier wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Doch anscheinend war das nur ein kurzer Hitzeanfall, denn das Katertier denkt in keinster Weise daran, nach hause zu gehen.
So wie’s aussieht, hat er sich vollständig erholt und ist zu neuen Schandtaten bereit.
Er scheint ja ziemlich robust zu sein.
Unter diesen Umständen... vielleicht wird’s doch noch was mit einem kühlenden Getränk.
Zum Kiosk sind es nur zwanzig Meter und jetzt im Sommer haben die sehr lange geöffnet.
Es ist auch kein richtiger Kiosk, sondern eher eine Gartenwirtschaft.
Die Arretierung der Leine habe ich gelöst, so dass Edward im Umkreis von 5 Metern alles untersuchen kann.
Meinereiner bestellt ein kleines Bier, während der schwarze Nachtschrat Tischbeine untersucht und beschnüffelt
Doch soviel interessantes scheint da nicht zu sein, deshalb legt er sich unter einen Tisch, sehr zum Erstaunen der anderen Gäste.
Ich setze mich einfach an denselben Tisch und genieße erst einmal das kühle Gebräu.
Es zwar nicht mehr die Hitze des Tages, doch immer noch sehr warm.
Daher werde ich ein zweites Bier auf keinen Fall trinken, sonst haut’s mich um.
Edward hat’s da leichter, es hat es sich mit gekühlten Pfoten unter dem Tisch gemütlich gemacht.
Und er steht sowieso nicht auf diesen Gerstensaft.
Es sind eben schwierige Zeiten heutzutage, viel Afrika und wenig Hofbräu!
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mike1024
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