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Immer Ärger mit dem Bullen

Immer Ärger mit dem Bullen

Beitragvon mike1024 am Mi 15. Apr 2015, 17:57

Immer Ärger mit dem Bullen

Zuweilen ergeben sich Begegnungen der besonderen Art.
Und nicht immer sind sie von der erbaulichen Sorte.
Da hilft kein Fauchen und kein Buckeln,
da hilft nur der geordnete Rückzug.

*
Es ist Freitag und da ich früher Feierabend gemacht habe, kann ich so einiges erledigen, was sonst nur Samstags möglich wäre.
An dem bewussten Tag hatte ich einfach Lust auf frisches Holzofenbrot.
Und genau das wird auf einem Hof, einige Kilometer von hier, selbst gebacken.
Und es schmeckt wirklich exzellent.
Das Gehöft habe ich zufällig bei einem Radausflug vor einigen Jahren entdeckt.
Es ist kein so genannter Biohof, sondern ein Hof bei dem nur sehr viel selbst gemacht wird.
Sie verkaufen unter anderem frische Eier von freilaufenden Hühnern, Kartoffeln aus eigenem Anbau, frische Milch, sowie eben dieses selbstgebackene Bot.
Und genau dieses Brot ist es, das mich manchmal doch ziemlich anmacht.
Da nimmt man gerne einige Kilometer mit dem Rad in kauf um einen schmackhaften Laib zu erwerben. Natürlich sollte man es schnell verzehren, denn da ist kein Konservierungsmittel oder Ähnliches drin.
Den Winter über fahre ich nicht dorthin, doch jetzt bei steigenden Temperaturen ist ein solcher Ausflug durchaus angenehm.
Und wie immer darf eine oder einer des feliden Volkes mit.
Heute ist Edward dran mit rausgehen. Vorsichtshalber habe ich Tapsi’s und Belle’s Näpfe schon mal mit Leckerlies befüllt, damit sie Ruhe geben und nicht mit ausgefahrenen Krallen an mir hochklettern, weil sie mitwollen.
Also, dann mal los.
Da es bis zu dem Hof ungefähr sechs Kilometer sind, kommt das Fahrrad zum Einsatz.
Allerdings sitzt Edward dabei nicht auf der Schulter, das wäre zu gefährlich. Man muss immer mit einem Unfall oder anderen Widrigkeiten rechnen.
Daher habe ich am Lenker zwei grosse Transportkörbe montiert. Einer davon kopfüber auf dem anderen, so dass sozusagen ein Käfig entsteht. Im unteren Korb ist eine Sperrholzplatte und darauf eine weiche zusammengefaltete Decke. So entsteht eine komfortable Reisemöglichkeit für eine Fellnase. Natürlich wird der Karabinerhacken des Geschirrs so eingehackt, dass keine Verletzungen oder Strangulierungen auch bei holpriger Fahrt entstehen können.
Das Wetter ist momentan super, es macht richtig Spaß, nach den dunklen Wintertagen wieder längere Zeit draußen zu sein.
Kurz keimt der Gedanke auf, was wohl wäre, wenn jetzt eine Polizeistreife käme.
Ich habe keine Ahnung, ob diese Art des Katzentransports erlaubt ist.
Aber eigentlich, was soll schon passieren?
Ich muss nur zwei mal eine Strasse überqueren, dann bin ich auf dem Weg, der zu dem Hof führt. Nur der Traktor eines anderen Hofes kommt mir entgegen.
Fremde Fahrzeuge sind nicht zu sehen, der grosse Run auf die Agrarerzeugnisse findet Samstags statt.
Das ist mir Recht, so habe ich etwas Muse, mich umzusehen.
Edward wird aus seinem Transportkäfig befreit und sofort klettert er auf meine Schulter.
Nur kurz knurrt er, als er den Hofhund sieht, doch sehr schnell beruhigt er sich wieder.
Es gibt auch Katzen auf dem Hof, doch keine ist zu sehen.
In einiger Entfernung ist ein eingezäunter Bereich in dem der Boden total durchgewühlt ist. Das ist das Freigehege für die Schweine. Zwei sind zu sehen, doch die lassen sich nicht stören und liegen faul im Matsch, von dem Krallentier auf meiner Schulter interessiert beäugt.
Doch zum jagen ist das matschverkrustete Volk zu groß, außerdem ist der Geruch nicht so angenehm wie zum Beispiel Premiumfutter.
Vom Hofpersonal kann ich niemand entdecken, aber die werden schon auftauchen.
Mit Edward auf der Schulter schlendre ich einen der Wege entlang.
Da ist eine Weidefläche mit einem sehr massiven Zaun und Elektrodaht eingezäunt.
Was ist das? Das kenn ich ja gar nicht.
Dann sehe ich was da ist.
Es ist schwarz und es ist riesig!
Und es hat einen Nasenring!
Ein Bulle! Ich wusste nicht dass die hier einen Bullen haben.
Das Riesenvieh steht in einiger Entfernung vom Elektrozaun, lässt sich erst nicht stören und schaut treudoof zu uns rüber.
Auch Edward hat das Monster entdeckt und steht jetzt buckelnd und mit gestäubtem Schwanz auf meiner Schulter. So ein Ungeheuer hat er noch nie gesehen. Doch auf der Schulter fühlt er sich sicher.
Ein wenig mulmig wird mir jetzt schon, denn wenn das schwarze Rindvieh sich seiner Kraft bewusst wird, durchbricht er den Zaun als wäre es Papier.
Erst mal Edward beruhigen, ein bisschen Kopfkraulen hilft da.
Er hat sich jetzt wieder niedergelegt, doch den Bullen fixiert er immer noch intensiv.
Man weiss ja nie...
Also erst mal ganz langsam auf dem Weg zurück.
Das Untier stösst zwei, drei kräftige Schnauber aus und trabt langsam in unsere Richtung.
Von Edward ist ein Faucher zu hören, ob aus Angriffslust oder aus Angst kann ich nicht sagen.
Ich vermute mal, eher das zweite.
Langsam haben wir uns jetzt einige Meter entfernt, als das Monster mit Hörnern ein lautes, tiefes und langgezogenes „Muuuuuuhh!!!“ hören lässt.
Das lässt sich leicht interpretieren: „Haut ab, sonst...“
Schon gut, schon gut, wir gehen ja schon. Braves Tierchen, geh, dahinten gibt’s noch etwas Gras für dich. Doch der denkt nicht daran, unserer Aufforderung Folge zu leisten, sondern starrt uns nach, bis wir die Gebäude wieder erreicht haben. Noch einmal lässt er sein „Muuuuuuhh!!!“ ertönen.
Dann warten wir eben vor den Gebäuden. Vielleicht ist der Bulle ja ein ganz Lieber und wollte nur Spielen, doch austesten will ich das vorsichtshalber nicht. Wir wollen den Zuchtbullen lieber nicht reizen und ich denke, Edward ist mit mir einer Meinung.
Endlich, nach einer gefühlten langweiligen Ewigkeit kommt eine Frau, die Tochter des Bauern, und ich bekomme meinen Brotlaib.
Edward wird natürlich bestaunt und ich komme mit der Frau ins Gespräch.
Auch auf das Monster auf der Weide spreche ich sie an, seit wann sie den denn hätten?
Schon länger, ist die Antwort, nur Samstags, wenn viele Leute kommen, wäre er im Stall, sonst würde er durchdrehen. Aha, jetzt ist mir klar warum ich den wandelnden Fleischberg noch nie gesehen habe: Ich war bis jetzt immer Samstags hier und heute ist Freitag.
Nun denn, machen wir uns also auf den Rückweg.
Edward auf der Schulter äugt immer wieder misstrauisch in Richtung der Weide.
Selbst als ich ihn im Fahrradkorb anleine, ist er noch ziemlich nervös.
Das Erlebnis war dann schon einprägsam.
Ich denke auch, er wird jetzt allen Rindviechern gegenüber etwas misstrauischer sein.
Denn sonst droht immer Ärger mit den Bullen.
Muuuuuuhh!!!
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mike1024
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