Platz für Fotos und Berichte von Erlebnissen eurer Lieblinge gerne auch als eigenes Katzentagebuch

Moderator: Moderatoren

Es ist Krieg und alle gehen hin

Es ist Krieg und alle gehen hin

Beitragvon mike1024 am So 11. Jan 2015, 14:16

Es ist Krieg und alle gehen hin

Unsere Stubentiger sind, jeder weiss es, sozusagen voll bewaffnet.
Sollte es also wirklich nötig sein, werden sie auch mit den grössten Hunden fertig.
Ich kann das bestätigen, denn ich habe es selbst erlebt.
Wirkliche Gefahr droht ihnen von ganz anderer Seite.
Oder auch nicht, wie ich zu meinem Leidwesen feststellen musste.

*
An diesem Tag hatte ich sehr viel zu tun, daher war es tagsüber nicht möglich, mit Edward rauszugehen.
Doch was soll’s; das Katzenvolk inspiziert sowieso sein Revier vorzugsweise in der Dämmerung, also werde ich mit Edward erst gegen Abend rausgehen.
Nicht sehr weit, nur bis zum Seepark, eine oder zwei runden um den See und dann wieder zurück.
Da übliche Ritual spielt sich ab.
Erst Geschirranlegen, dann das Halsband mit der Tassomarke anlegen und letztendlich die Aufrolleine einhacken.
Weiter brauch ich mich nicht zu kümmern, denn Edward springt nie von meiner Schulter.
Ein paar mal ist es passiert, dass ein Hund den schwarzen Kater auf meiner Schulter wütend angekläfft hat. Der hat dann ebenso wütend zurückgefaucht, doch er ist nie runtergesprungen.
Mir sind noch Miezkas Attacken auf Hunde sehr gut im Gedächtnis, daher weiss ich, dass im Ernstfall auch ein noch so grosser und angriffslustiger Hund gegen eine wütende Katze kaum eine Chance hat.
Jedenfalls begeben wir uns auf den Weg zum Seepark.
Edward liegt nicht mehr auf der Schulter, sonder steht, neugierig um sich blickend, darauf.
Ich muss schauen, dass ich das Gleichgewicht halte, denn wenn es auch nur den geringsten Anschein geben würde, dass er eventuell abrutschen könnte, würde sich der Schwarzbepelzte sofort festhalten.
Wozu hat man schließlich kräftige Krallen?
Denn eben dieses Festhalten könnte für mich ziemlich schmerzhaft ausfallen.
Mittlerweile habe ich ein wenig Übung in solcherart kätzischer Balanceakte, so dass der Kater stehenderweise die Umgebung mustern kann.
Soweit so gut gelaufen.
Wir mögen etwa fünfzig Meter auf dem Weg zum Seepark gelaufen sein, als Edward plötzlich unruhig wird.
Nun, vielleicht muss er ein Geschäft verrichten.
Doch der Kater starrt wie hypnotisiert auf ein niedriges Gebüsch, beide Ohren in dieselbe Richtung gedreht.
Etwas scheint dort zu sein, obwohl ich im Schein der Wegbeleuchtung nichts erkennen kann.
Doch Katzen hören und sehen besser, also warte ich mal ab, was das sein könnte.
Ohne Vorwarnung springt der Kater ab und beginnt an dem Gebüsch zu schnüffeln.
Wie in einem Reflex habe ich mit einem Fingerdruck die Arretierung der Leine gelöst.
Da muss ja wirklich was interessantes sein, dass Edward seinen sicheren Ausguck auf der Schulter verlassen hat.
Doch das Erste was er nach einer intensiven Schnüffelaktion unternimmt, ist, das Gebüsch sehr, sehr ausgiebig zu markieren.
Was hat er da entdeckt, dass er das macht?
Er nimmt jetzt eine lauernde Haltung an, sein Schwanz die Form einer Klobürste, die nervös hin und her zuckt.
Dann kommt ein deutliches Knurren aus dem Kater, gefolgt von einer undefinierbaren Folge von Maunzlauten.
Und aus dem Gebüsch kommt Antwort!
Ähnliche Maunzlaute!
Da ist noch eine Katze!
Langsam schiebt sich Edward durch das niedrige Gebüsch auf die freie Rasenfläche dahinter.
Jetzt kann ich es sehen.
Da ist noch ein Kater.
Nun sind mir so ziemlich alle Katzen in der Gegend um den Seepark bekannt und Edward kennt sie auch. Mit keiner hat er Streit.
Doch dieser Kater ist ein Fremder!
Wahrscheinlich ist er neu zugezogen, es ist ja ein Wohnviertel hier und da ziehen immer wieder mal Leute um und einige haben Katzen.
Jedenfalls sitzen sich die beiden Kater im Abstand von etwas einem Meter gegenüber und schleudern sich die vermutlich schlimmsten Flüche in der Katzensprache entgegen.
Doch nachgeben will keiner!
Jetzt habe ich aber genug. Ich werde Edward wieder auf die Schulter setzen, bevor die Beiden aufeinander losgehen.
Als könnte Edward hellsehen, macht er einen Satz auf den Fremden zu.
Die Leine ist ja nicht mehr arretiert, also hat er keinerlei Probleme.
Mein Revier!
Verschwinde, Eindringling, sonst fetzt’s!
Und es fetzt!
In Bruchteilen von Sekunden, bevor ich überhaupt reagieren kann, ist nur noch ein sich wälzendes und keifendes Fellbündel aus zwei Katern zu erkennen.
Scheisse, Scheisse, Doppelscheisse!
Die bringen sich gegenseitig um!
Leine arretieren und Edward da rausziehen, sofort!
Doch die beiden haben sich so ineinander verkrallt, das ich zwangsläufig beide zu mir herziehe.
Mit ziemlichen Folgen!
Denn ich bekomme sie nicht richtig zu fassen.
Und die schlagen um sich.
Mit Krallen, für die man eigentlich einen Waffenschein bräuchte!
Irgendwie, irgendwann lassen die Beiden voneinander ab und der Fremde flüchtet in die Dunkelheit.
Edward hat sich keinesfalls beruhigt, er würde dem Fremden am liebsten hinterher.
Er windet sich, faucht, kratzt, beisst!
Doch dann bekomme ich ihn am Nackenfell zu packen und kann den Beruhigungsgriff anwenden.
Er ist immer noch auf hundert, doch wenigstens habe ich ihn jetzt so, dass er nichts mehr machen kann.
Wir müssen schleunigst nach hause, ich muss schauen ob er Verletzungen hat.
Der Weg ist nicht weit, doch es macht sich ein seltsames Gefühl breit.
Es schmerzt, ausserdem scheint da was feuchtes zu sein.
Erst im vollen Licht des Hauseingangs sehe ich was los ist.
Da ist Blut, sehr viel Blut!
Kater, ich muss sofort nach dir schauen, du bist ernsthaft verletzt.
Doch dann wird mir klar, dass das Blut nicht von Edward stammt.
Es ist meines!
Das war das Feuchte und das war auch das, was geschmerzt hat.
Im vollen Licht sehe ich dann auch war eigentlich los ist.
Das Hemd ist zerrissen, überall sind Kratzer und der Hausflurboden ist volle Blut.
Irgendwie schaffe ich es dann in die Wohnung und ins Bad, wo ich Edward von der Leine lasse und versuche, mich erst mal zu verarzten.
Im Spiegel sehe ich dann erstmals das ganze Ausmaß der Schlacht.
Ich muss in einen Fleischwolf gefallen sein, anders ist das nicht zu erklären.
Doch letztendlich weiss ich ja schon, dass ich auch selber Schuld daran habe, man geht nicht einfach so zwischen zwei kämpfende Kater.
Desinfektionsmittel und Pflaster sind vorhanden, leider nicht genug.
Und es schmerzt auch immer mehr, vor allem die kleinen Kratzer, die ja eigentlich nur die Haut angeritzt haben.
Wie dem auch sei, ich muss möglichst am nächsten Morgen zum Arzt.
Zwar habe ich eine halbwegs aktuelle Tetanusimpfung, doch besser ist es allemal, das untersuchen zu lassen um einer Blutvergiftung vorzubeugen.
Irgendwann habe ich mich so gut es eben geht, verpflastert, dann will ich mal nach Edward schauen.
Ich bin ihm nicht böse, er hat ja nur so reagiert, wie ich auch reagiert hätte, wäre ich ein Kater. Wie gesagt, ich bin selber an meinen Verletzungen schuld.
Edward ist auf seinem Lieblingsplatz auf der Couch.
Doch er ist immer noch sehr nervös und aufgeregt, denn sein Schanz peitscht und er schaut wachsam in alle Richtungen. Auf dem Boden, in respektvollem Abstand sitzt Tapsi, der ihn misstrauisch beäugt. Er kann mit der üblen Laune des Schwarzen nicht so recht was anfangen und bleibt sicherheitshalber auf Distanz.
Erst am nächsten Morgen hat sich die Lage beruhigt und Edward will auch wieder Schmusen.
Eine Untersuchung ergibt, dass er ausser ein paar geringfügigen Kratzern und ein wenig ausgerissenem Fell keine ernsthafteren Verletzungen erhalten hat.
Das gibt mir dann schon zu denken.
Es war ein gewaltiger Riesenfehler, da intervenieren zu wollen.
Denn diese Erfahrung habe ich jetzt gemacht, dass die Kater ihre Meinungsverschiedenheiten durchaus ohne fremde Hilfe beilegen können.
Was mich betrifft, so werde ich nie wieder in irgendwelche kätzischen Streitereien eingreifen.
Das ist höchsten was für akut suizidgefährdete.
Ich bin doch nicht lebensmüde!
Benutzeravatar
mike1024
Quasselkatze
 
Beiträge: 165
Registriert: 01.02.2009
Alter: 65 Männlich
Wohnort: Freiburg

Zurück zu Fotos und Erlebnisse



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast




~ Partnerseiten / Werbung ~



Weltbild ~ myToys ~ Snapfish ~ Pixum