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Markttag

Markttag

Beitragvon mike1024 am Sa 10. Jan 2015, 21:07

Markttag

Ufogläubige, Astrologen, Esoteriker und anderweitig gläubiges Volk hat es im Leben definitiv leichter als meine eher rationelle Wenigkeit.
Denn solcherart Leute können, sollte etwas unerklärliches geschehen, dieses problemlos auf höhere Mächte abwälzen.
Wie dem auch sei, ich für meinen Teil halte mich lieber an Fakten und nicht an Gedankenübertragung oder Seelenwanderung.
Obwohl.... in letzter Zeit kommen mir da so meine Zweifel.

*
Edward scheint ja nun wirklich zu spinnen.
Nicht nur, dass er bei dem Geräusch von Schritten auf Kies an mir hochklettert, nein, es hat sich zu seinem Lieblingssport entwickelt, zu jeder Tages- und Nachtzeit bei mir zu sein, wenn’s geht, bitteschön auf Dosis Schulter.
Wenn’s ihm Spass macht und er mich nicht stört, meinetwegen soll der Kater seinen Willen haben.
So geschieht es sehr oft, dass ich wie weiland die Hexe von Hänsel und Gretel mit einem schwarzen Kater durch die Wohnung laufe.
Und nicht nur dort. Denn sooft es das Wetter zulässt, bin ich mit Edward im Seepark, natürlich vorsichtshalber an der Leine.
Da wollen wir doch mal sehen, ob nicht auch andere Ausflüge möglich sind.
Sie sind!
Samstags bin ich ja immer auf dem Wochenmarkt und tätige auch sonst viele Einkäufe.
Und wenn dem so ist, dann soll der Kater eben mitkommen
Wie auch immer, einen Versuch ist es wert.
Also erst mal Geschirr mit Leine anlegen, was das schwarze Fellbündel ohne jedes murren über sich ergehen lässt. Er weiss genau, jetzt geht es raus!
Und so warte ich mit dem Kater auf der Schulter auf die Strassenbahn.
Da ich vorhabe, einzukaufen, muss natürlich der Rucksack mit.
Und auf eben diesem Rucksack hat es sich Edward bequem gemacht.
Er ist kein bisschen ängstlich, da oben fühlt er sich wohl sicher.
Endlich kommt die Bahn.
Es ist Samstagmorgen und viele fahren damit in die Innenstadt zum Einkaufen.
Daher ist die Strassenbahn ziemlich voll, ein Sitzplatz ist nicht zu bekommen. Doch bis ins Zentrum sind’s nur zehn Minuten, das werde ich stehenderweise doch wohl aushalten.
Mein Augenmerk ist sowieso eher auf Edward gerichtet.
Es ist das dritte Mal, dass er mit der Strassenbahn fährt, doch als er das erste und zweite Mal mitgefahren ist, hat er davon nicht sehr viel mitbekommen, denn da war er in der Transportbox. Das erste Mal habe ich ihn damals vom Mondhof beim Schluchsee abgeholt und das Zweite Mal sind wir in die Tierklinik gefahren.
Doch jetzt ist es anders!
Er sitzt halb auf meiner Schulter und halb auf dem Rucksack.
Da hat er den Überblick, anders als aus einer Transportbox.
Und er ist kein bisschen ängstlich, sondern schaut sich neugierig um. Sehr, sehr neugierig.
Natürlich werde ich auch angesprochen.
Manche wollen Edward streicheln, doch das ist dann doch eins zuviel. Er weicht aus.
Als einer damit nicht aufhört und weiterstreicheln will, beginnt er zu fauchen und seine Reisszähne zu zeigen. Diese Sprache verstehen alle.
Im Zentrum angekommen, denkt der Kater nicht daran abzuspringen, sondern betrachtet weiterhin die Umgebung von seinem Aussichtspunkt.
Irgendwie wird mir das Ganze langsam unheimlich.
Es ist, als wäre Mowgli in einem anderen Körper zurückgekehrt.
Nein, nein, ich darf mich nicht verrückt machen.
Das hat sich einfach so ergeben, es ist purer Zufall.
Es ist Edward, nicht Mowgli!
So sitzt also Kater Edward auf Rucksack und Schulter, während ich auf dem Weg zum Wochenmarkt bin. Auch hier werde ich immer wieder angesprochen.
Ich will frisches Gemüse und etwas Obst kaufen. Eine Einkaufstasche habe ich nicht mitgenommen, dafür ist ja der Rucksack geschultert.
Doch genau da taucht ein unerwartetes Problem auf.
Denn um meine Einkäufe im Rucksack zu verstauen, muss dieser von der Schulter.
Und damit auch Edward. Nur hat der überhaupt keine Lust, seinen beschlagnahmten Sitzplatz zu verlassen. Auch als ich mich in die Hocke begebe, um dem Kater einen besseren Absprung zu geben, will er auf keinen Fall auf den Boden.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als mir eine Tragtüte geben zu lassen.
Dann mal schauen was ich sonst noch vom Markt brauche.
Plötzlich wird der Kater unruhig.
Was ist los? Kein Hund in Sicht, auch nichts was sonst beunruhigend wirken könnte.
Ich würde eigentlich schon gern wissen, was in dem Katerhirn so vor sich geht.
An der Seite des Marktes ist ein winziger Grasstreifen.
Ehe ich mich versehe, ist Edward abgesprungen. Die Leine ist eine dieser aufrollbaren Leinen und kann bis fünf Meter ausgerollt werden. Arretiert ist sie nicht, so dass Edward problemlos zu dem Grasstück springen kann.
Was ist los? Vorher wollte er um keinen Preis runter. Irgend etwas scheint an dem Gras zu sein.
Der Schwarze schnüffelt alles ab. Dann scharrt er im Boden.
Jetzt wird die Bedeutung des Ganzen klar. Er muss nur ein kleines Geschäft verrichten.
In der Zeit habe ich den Rucksack von der Schulter genommen und meine Einkäufe darin verstaut.
Und tatsächlich ist er nach kurzer Zeit fertig, schnüffelt ein wenig daran und scharrt es wieder zu.
Das hätte ich jetzt nicht erwartet, der ist wirklich wie Mowgli!
Als Edward fertig ist, kommt er sofort wieder angerannt und will hochklettern.
Doch diesmal bin ich schneller! Bevor er klettern kann, habe ich ihn hochgehoben und auf die Schulter auf seinen Lieblingsplatz gesetzt, wo er sich sofort wieder bequem einrichtet.
Denn ich habe keine Lust, mir bei des Katers Kletteraktionen ein paar blutige Kratzer und zerrissene Hosen einzuhandeln.
So, die Lebensmitteleinkäufe sind erledigt, mal sehen, was es sonst noch auf dem Markt gibt.
Ein Stand mit Keramik sieht interessant aus und so begutachte ich die feilgebotene Ware.
Plötzlich werde ich von hinten angesprochen: „Entschuldigen sie, dürfte ich ein Foto von ihnen und ihrer Katze machen?“
Ein älteres Ehepaar, der Aufmachung nach Touristen, steht mit gezücktem Fotoapparat hinter mir.
Das kenne ich, das wollten in der letzten halben Stunde einige.
Jedenfalls habe ich nichts dagegen, allerdings habe ich allen, die Fotos machen wollten, meine Emailadresse gegeben, mit der Bitte, mir doch die Fotos zuzusenden.
So auch hier. Es werden einige Fotos gemacht.
Nach einem Gespräch mit dem Paar verabschiede ich mich. Ich will jetzt nach hause, denn langsam bekomme ich Hunger und Edward wahrscheinlich auch.
So das war also der erste Ausflug mit Edward in die Innenstadt.
Es hat ja gut geklappt, also kann man das durchaus wiederholen.
Und so gehen wir wieder zum Alltagsgeschäft über.
Einige Tage sind vergangen und ich muss, wie jeden Tag, meine Emails abfragen, denn es muss ja irgendwie Geld reinkommen.
Hmmm... was ist das für eine Mail? Der Absender ist mir unbekannt, hoffentlich kein Spam, der durch das Filter gerutscht ist.
Doch als ich die Mail öffne, welch Wunder!
Sie stammt von dem Paar auf dem Wochenmarkt und hat im Dateianhang einige Bilder!
Und die sind wirklich gelungen!
Ich glaube ich werde sie ausdrucken und an die Wand pinnen.
Jedenfalls, ganz sicher bin ich mir nicht, doch es kommt mir so vor, als würde Edward seitdem mit viel mehr Stolz durch die Wohnung tigern.
Soll er, verdient hat er sich’s.


Edward auf dem Markt 2 800x533.JPG

Edward auf dem Markt 3 800x533.JPG

Edward auf dem Markt 4 800x533.JPG
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