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Posttraumatisches Kiestrittsyndrom

Posttraumatisches Kiestrittsyndrom

Beitragvon mike1024 am Fr 9. Jan 2015, 18:37

Posttraumatisches Kiestrittsyndrom

Jeder Mensch hat einen Sparren und manche haben zwei!
Welch wahres Wort.
Doch in der Regel genügt schon eine Verrücktheit, zwei sind nicht unbedingt vonnöten.
Vor allem, wenn der Betreffende kein Mensch ist, sondern einem schnurrend um die Beine streicht.

*
Es ist nun April, die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf und auch meine Wenigkeit gedenkt der winterlichen Stubenhockerei zu entfliehen.
Und da auch Edward nicht nur immer in der Wohnung bleiben soll, will ich versuchen, ihn mitzunehmen.
Zunächst mal nur in den Seepark, der ja nicht weit von hier ist.
Da er aber die Gegend nicht kennt und auch die Strasse sehr gefährlich für junge Katzen ist, muss ich erst mal testen, wie er sich mit dem Katzengeschirr verträgt.
Denn der puren Sicherheit ist es gestundet, dass er zumindest bis zum Park an der Leine bleiben soll.
Der Kater weiss nicht, wie ihm geschieht, als ich ihm das Geschirr anlege.
Schon das passt ihm nicht.
Und erst recht nicht als dieses seltsame Kleidungsstück einfach dranbleibt.
Also, Dosi zieht ja auch immer Klamotten an, doch als gestandener Kater hat man ein Fell und braucht solcherart lächerlicher Bekleidungsstücke nicht.
Und so versucht Edward, das Geschirr wieder abzubekommen, was ihm aber gründlich misslingt.
Tja, mein lieber, du hast die Wahl: Entweder Geschirr und Leine, oder du bleibst zuhause!
Vor dem Haus ist eine vierspurige Strasse und ausserdem die Strassenbahn.
Da alleine rausgehen ist selbst für erfahrene Katzen lebensgefährlich.
Die Antwort ist ein vorwurfsvolles „Miau“ und ein leichtes knurren.
Es dauert schon einige Zeit, dann hat der schwarze Kater das Geschirr akzeptiert, glaube ich wenigstens.
Gut, dann wollen wir’s mal versuchen. Leine einhacken und los geht’s.
Über die Strasse wird er auf dem Arm getragen.
Soviel neues ist da, was man bisher nur vom Balkon gesehen hat.
Irgendwie erinnert mich diese Aktion an Mowgli, nur mit dem Unterschied, dass der auf meiner Schulter gesessen ist.
Dann kommt der Weg zu Seepark und jetzt kann der Kater alleine laufen.
An der Leine zwar, aber auf dem Boden.
Und er verhält sich dort auch ganz katermäßig.
Will heissen, alles und jedes wird beschnuppert und begutachtet und nach fast jedem Meter eine Markierung gesetzt!
Daher dürfte es absolut nicht verwunderlich sein, dass wir für fünfzig Meter Weg fast zwanzig Minuten brauchen.
Einige Leute kennen mich und halten Edward für Mowgli und so muss ich erst den neuen Sachverhalt klären.
Naja, es ist Wochenende und Zeit spielt da keine Rolle.
So erreichen wir endlich den See.
Der Weg führt als Rundweg um den See herum, mit einigen Abzweigungen.
Und an eben solch einer Abzweigung offenbart sich des Katers wahre Ambitionen.
Denn diese Wege sind nicht wie der Rundweg asphaltiert, sondern mit Kies aufgeschüttet.
Auf diesem Weg kommt ein älteres Paar entlanggeschlendert.
Deutlich sind die Schritte im Kies zu vernehmen.
Plötzlich schmerzt es, als würde ich von Nadeln zerstochen!
Edward ist in Panik blitzschnell und ohne Rücksicht an mir hochgeklettert und drückt sich an mich.
Aber Katerchen was ist los? Was hat dich so erschreckt.
Das schwarze Krallentier sitzt voll Panik auf meiner Schulter und starrt in Richtung des Paares.
Ich kann mir keinen Reim darauf machen.
Die beiden kenne ich nicht und so wie die aussehen, kann Edward sie auch nicht vom Mondhof, wo er herstammt, kennen.
Was also hat ihn so in Panik versetzt?
Erst als die Beiden auf den asphaltierten Rundweg einbiegen, beruhigt sich Edward langsam wieder.
Ich jedenfalls stehe vor einem Rätsel.
Zumindest solange, bis auf der übernächsten Abzweigung wieder Schritte auf dem Kies zu hören sind.
Der Schwarze sitzt immer noch leicht ängstlich auf meiner Schulter, doch bei dem Geräusch versucht er, sich noch enger an mich zu drücken.
Dosi, bitte hilf mir, da sind Monster, ich hör sie ganz deutlich.
So langsam bohrt sich ein Gedanke durch meine Gehirnwindungen.
Da war doch was, da war doch was...
Richtig! Als er vor einigen Wochen nächtens auf das Vordach ausgebüchst ist, ist er geflüchtet, als er meine Schritte auf dem Kies des Vordaches gehört hat.
Offensichtlich hat ihn damals das für ihn unbekannte Geräusch in Panik versetzt.
Wäre es also eventuell möglich, ich mein ja nur, so als Überlegung, also, könnte der Kater das nicht vergessen haben? Hat sich dieses traumatische Erlebnis dauerhaft in seinem Gedächtnis verankert?
Gut möglich, manche Menschen haben klaustrophobische Latzhosenparanoia, also kann es gut möglich sein, dass ein Kater ein posttraumatisches Kiestrittsyndrom hat.
Sooooo verschieden sind Mensch und Katze ja nun auch wieder nicht!
Wie dem auch sei, jetzt ist Schluss mit lustig und Edward ist nicht mehr dazu zu bewegen, von meiner Schulter runterzuspringen.
Selbst zuhause überlegt er es sich lange, ob er wieder runter will.
Letztendlich entscheidet er sich dann doch für seinen Lieblingsplatz auf der Couch.
Ich muss jetzt darüber nachdenken, wie ich dem Kater seine Angst vor diesem Kiestrittgeräusch nehmen kann.
Doch so sehr ich mir auch das Hirn zermartere, ich komme nur zu dem Schluss, dass alleine die Zeit da helfen kann.
Wie dem auch sei, jetzt ist erst mal angesagt, den Futternapf zu füllen.
Und hoppla, der Gelbe Sack mit den leeren Futterdosen ist ja voll. Also muss der dringend runtergebracht werden. Doch so einfach ist es nicht, denn als Edward merkt, dass ich aus der Wohnung will, lässt er ein klägliches miauen hören und kommt angerannt.
Sofort versucht er wieder an mir hochzuklettern. So wie es aussieht, will er nicht alleine bleiben.
Na, dann komm halt mit.
Aber einfach mitkommen ist nicht, er will hochklettern, dahin, wo er sich sicher fühlt.
Also gut, ich habe wohl einen Kater mit posttraumatischem Kiestrittsyndrom.
Damit werde ich leben müssen.
Manchen Menschen geschieht schlimmeres, zum Beispiel ein Kabelbrand im Herzschrittmacher.
Miau!
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mike1024
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