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Es tapst

Es tapst

Beitragvon mike1024 am Mi 31. Dez 2014, 00:36

Es tapst

Es ist nicht gut, das Katz alleine sei, heisst es in Abwandlung eines bekannten Sprichwortes.
Doch solcherart zusammenführender Aktionen können gut gehen oder auch nicht.
Oft ist es dann die alteingesessene Samtpfote, die etwas gegen den Neuzugang hat.
Meistens jedenfalls.
Meistens, das bedeutet aber, nicht immer...

*
Seit Miezkas Tod ist Edward mit mir alleine.
Seine morgendliche Weckattacken hat er aber nicht aufgegeben, damit werde ich wohl leben müssen. Und er beisst ja jetzt nicht mehr richtig, seit er gemerkt hat, dass das dieses nicht notwendig ist und zwicken genügt.
Ich denke, davon wird meine Nase keinen dauerhaften Schaden erleiden.
Doch schon Miezka war nicht alleine und ich möchte auch nicht, dass Edward alleine bleibt.
Und so komme ich zu einem Entschluss.
Edward soll einen kätzischen Spielgefährten bekommen, oder vielmehr eine Gefährtin.
Jetzt ist er 10 Monate alt und fast erwachsen.
Wie bei anderen Dingen, hilft auch diesmal die Zypresse, jene Zeitung mit Kleinanzeigen aus der Gegend.
Da es aber diesmal kein spontaner Entschluss ist, wird das Ganze gut durchdacht.
Natürlich wird auch Edward gefragt, doch dessen Antwort, wenn er sie denn gibt, lautet immer nur „Miau“ oder „Guru“. Zu Übersetzen ist das in diesem speziellen Fall nicht.
Doch der Entschluss steht definitiv fest, es kommt wieder eine zweite Fellnase ins Haus!
Zwei Wochen gehen ins Land und ich bin in der Zypresse nicht fündig geworden.
Es ist einfach so, dass momentan nur Züchter inserieren und ich bin nicht bereit, deren horrende Preise zu bezahlen. Natürlich wäre eine Maine Coon oder eine Norwegerin schon etwas besonderes, doch ich heisse nun mal nicht Bill Gates und habe folglich auch nicht das dazu notwendige Kleingeld.
Doch dann, Bingo! „Drei Kätzchen, 12 Wochen alt gegen Schutzgebühr abzugeben.“ Und eine Telefonnummer aus Münstertal. Prima, das ist ja ganz in der Nähe.
Beim Anrufen werde ich erst mal vertröstet. Ja, man wäre hier ein Bauernhof und die Bäuerin wäre gerade im Stall beim Melken. Ob ich in einer Stunde noch mal anrufen könne?
Klar, werde ich!
Eine Bauernhofkatze!
Super!
Die sind nicht überzüchtet und auch robust.
Die folgende Stunde schleicht nur so dahin.
Dann greife ich noch einmal zum Telefon. Jetzt ist die Bäuerin zu sprechen.
Ja, zwei der Kätzchen seien noch da, allerdings müsste ich sie schon persönlich abholen, sie möchte die Leute kennen lernen, an die sie die Kitten abgibt.
Durch diese Aussage ist mir die Frau sofort sympathisch.
Auf meine Frage nach dieser „Schutzgebühr“, wie sie in der Annonce erwähnt wurde, antwortet sie, ja das würde sie machen, damit nicht Hinz und Kunz anrufen würden und die Höhe wäre 10 Euro.
Na, wenn das keine gute Nachricht ist, 10 Euro ist wirklich kein Betrag.
Also lasse ich mir den Weg beschreiben, mit dem Vorbehalt, dass ich die Kätzchen erst ansehen möchte.
Die Wegbeschreibung ist sehr einfach, nur von der Hauptstrasse in Münstertal rechts hoch.
Nur sollte ich nach 18 Uhr kommen, da sie vorher wieder im Stall sei. Das ist ok, es ist ja Ende Juli und es wird sehr spät dunkel.
Na, dann mal los.
Vorsichtshalber nehme ich die Transporttasche mit und als Begleitung Edward.
Bis Münstertal kann man bequem mit dem Zug kommen, also ist das schon mal kein Problem.
Dachte ich!
Denn Münstertal hat zwar nicht sehr viele Einwohner, doch die sind über ein riesiges Gebiet verstreut. Hier zwei Wohnhäuser, dort ein Hof, so zieht sich die Ortschaft hin.
Und das gleiche gilt für die genannte Adresse, die Hausnummer 11
Man sollte meinen, das wäre leicht zu finden, doch von der Hausnummer 1 bis zur Hausnummer 11 sind es 2,5 Km steil den Berg hoch.
Zu allem Überfluss hat sich der Himmel zugezogen und es beginnt ein leichter Nieselregen.
Zum Glück habe ich die Transporttasche dabei, da kann ich Edward hinein verfrachten.
Denn wenn der etwas hasst, dann ist es Wasser von oben!
Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich vom Bahnhof aus ein Taxi gerufen. Doch jetzt ist’s zu spät dafür.
So stapfe ich, nass bis auf die Knochen und einen ziemlich verärgerten Kater in der Tasche, den Berg hoch. Denn leider hat Edward doch einige Tropfen abbekommen, bevor er in die Tasche konnte. Und das nimmt er mir übel!
Der Berg will kein Ende nehmen, doch irgendwann bin ich an Hausnummer 11 angelangt. Es ist ein fernab der Strasse liegendes Gehöft, das zusätzlich noch Ferienwohnungen anbietet.
Drei Nobelkarossen stehen auf einem Wiesenparkplatz. Sonst ist nichts zu sehen oder zu hören.
Noch einmal vergleiche ich die aufgeschriebene Adresse. Ja, richtig bin ich schon.
Zwischenzeitlich hat es zu nieseln aufgehört und ich kann Edward aus der Transporttasche lassen. Der klettert mir sofort auf die Schulter, wo er sich sicher fühlt. Wir gehen um das Gebäude. Niemand da. Plötzlich sind da Pfotenschritte zu hören. Ein grosser Schäferhund kommt direkt auf uns zu. Nun, auf einem Gehöft, das Ferienwohnungen anbietet, ist dieser Hund Fremde gewohnt. Und richtig, er schnüffelt an mir und schaut mich fragend an. Er ist absolut harmlos. Nur weiss das Edward nicht. Der schwarze Kampfkater beginnt zu fauchen.
Erst zuckt der Hund zurück, dann beginnt er wieder zu schnüffeln. Langsam beruhigt sich Edward wieder.
Da sind mit einem mal klackernde Geräusche zu hören.
Eine Herde Kühe kommt die Strasse herab, gefolgt von einer Frau. Das muss die Bäuerin sein.
Und tatsächlich sie ist es.
Nach einer kurzen Begrüssung holt sie in einem Korb die Katzen.
Die Katzenmutter ist auch in dem Korb und beäugt mich und vor allem Edward sehr vorsichtig.
Da krabbelt noch etwas in dem Korb, die Kätzchen.
Zwei sind es, eines ist graugetigert das andere rot.
Und beide sind so süss, am liebsten würde ich sie alle mitnehmen.
Die Mutter ist ganz ruhig, sie ist wohl Trubel und fremde Menschen gewohnt.
Erst als Edward neugierig an den Kitten schnüffeln will, faucht sie ziemlich aggressiv.
Fremde Menschen ja, aber ein fremder Kater, das geht gar nicht!
Edward jedenfalls hat die Warnung verstanden und zieht sich zurück.
Tja, welches nehmen wir denn mit? Eine kurze Betrachtung ergibt, das beides Mädchen sind.
Also denn, die Rote gehört ab sofort zu uns.
Die Bäuerin bekommt ihre Schutzgebühr und wir die Info, dass sie noch keinen Namen hätte und auch noch geimpft und untersucht werden müsste.
Das geht schon klar, das hätte ich sowieso gemacht.
Bein Futter sei sie nicht wählerisch und würde so ziemlich alles fressen.
Also machen wir uns auf den Rückweg. Da es jetzt nicht mehr nieselt und sogar leicht aufklärt, verzichte ich auf ein Taxi und wir gehen zu Fuss zum Bahnhof.
Was heisst eigentlich wir? Die Kleine ist in der Transporttasche und Edward auf meiner Schulter.
Ich bin es also, der geht. Das ist so ähnlich wie bei den Bremer Stadtmusikanten.
Wer ist da der Unterste? Na, wer wohl?
Unterwegs bin ich intensiv am hirnen.
Wie soll die Kleine bloß heißen? Ein Name gehen mir immer wieder durch den Kopf: Shiva?
Doch irgendwie... Ich weiss nicht, so richtig will mir dieser Name nicht passen.
Nun ja, es ist ja noch Zeit. Einen Namen muss ich erst gefunden haben, wenn es in die Tierklinik und zum Impfen geht. Doch da ich das erst für die nächste Woche geplant habe, ist ja noch einige Zeit bis dahin. Nach einem gefühlt kurzen Fussmarsch, es geht ja jetzt den Berg runter, erreichen wir den Bahnhof. Die Kleine hat sich indes nicht gerührt, es ist alles neu für sie. Zwanzig Minuten müssen wir auf den Zug warten. Das Abteil ist fast leer und jetzt beginnt auch Edward an der Tasche zu schnüffeln. Immer noch bin ich in Gedanken mit einem Namen beschäftigt, doch zu einem Schluss will ich nicht so recht kommen.
Der Kleinen ist es jetzt wohl etwas langweilig, sie will raus.
Kaum ist sie aus der Tasche, schaut Edward sie neugierig an und will sie abschnüffeln.
Dachte er wohl.
Doch so klein wie das rote Kätzchen ist, sie beginnt Edward anzufauchen. Natürlich nicht heftig, dafür ist sie zu klein, doch sie faucht! Und der viel grössere Kater Edward weicht erschrocken zurück, das hat er dann doch nicht erwartet. Er legt sich in einiger Entfernung auf die Tasche und beobachtet die Kleine in meinen Händen. Immer wieder versucht er, sich ihr zu nähern, doch sofort ertönt ein leises Fauchen. Also beschränkt sich der schwarze Kater aufs reine Beobachten.
Endlich sind wir an unserem Zielbahnhof angekommen und die Kleine muss wieder in die Tasche. Widerwillig zwar, aber es geht nicht anders. Wir haben noch eine kurze Fahrt mit der Strassenbahn vor uns.
Endlich sind wir zu hause.
Da die Kleine und Edward sich ja schon kennen, kann ich sie gleich aus der Tasche lassen. Und sofort beginnt sie, alles zu untersuchen, während ich den Futternapf füllen kann.
Dann schauen wir mal, was weiter passiert.
Es sieht schon drollig aus, wie sie da die Wohnung entdeckt und alles begutachtet und überall herumschnüffelt.
Ich kann mir ein Lachen fast nicht verkneifen. Es ist so lustig, wie sie da mit hochgereckten Schwänzchen herumtapst und jede noch so kleine Ecke inspiziert.
Bei dem Anblick geht mir spontan ein Name durch den Kopf.
Tapsi!
Ja, das ist es, so soll sie heissen, Tapsi.
„Hallo Tapsi, willkommen in deinem neuen Zuhause.“ Doch Tapsi ignoriert diese direkt an sie gerichtete Ansprache und fährt mit ihrer Inspektionstour fort.
Bis jetzt hat Edward ihr Treiben von der Couch aus mit Argusaugen beaufsichtigt, doch nun erhebt er sich. Tapsi begutachtet gerade ein Tischbein, als Edward ihr wirklich nahe kommt.
So klein wie die ist, kann sie einfach keine Konkurrenz für ihn sein und schon gar nicht ein Feind. Ich habe mal etwas über Welpenschutz gelesen und genau das scheint hier der Fall zu sein.
Doch für die Kleine scheint das Tischbein interessanter zu sein, da kann der schwarze Kerl machen, was er will. Zum fauchen ist später Zeit. So lässt sie sich jedenfalls nicht von Edward stören.
Der hat sich jetzt von ihrer Harmlosigkeit überzeugt und wieder auf die Couch zurückgezogen. Obwohl... er lässt sie nicht aus den Augen!
Jetzt hat Tapsi den Futternapf entdeckt und macht sich darüber her. So eine Reise macht ja hungrig.
Und auch schläfrig. Und der einzige Schlafplatz im Raum ist die Couch. Doch dort ist Edward.
Doch wer als kleine Katze einen grossen Kater anfauchen kann, braucht sich davor in keinster Weise zu fürchten.
Und so legt sie sich neben Edward auf die Couch und nach kurzer Zeit schläft sie den Schlaf der Gerechten.
Der Schwarze jedenfalls lässt das kommentarlos zu und als sie eingeschlafen ist beginnt er ihr das Fell zu lecken.
So, hiermit wäre also Schluss mit dem Männerhaushalt, es ist wieder ein weibliches Wesen eingezogen.
Wie sich das wohl weiterentwickelt?
Man wird sehen, man wird sehen...
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