Platz für Fotos und Berichte von Erlebnissen eurer Lieblinge gerne auch als eigenes Katzentagebuch

Moderator: Moderatoren

Der Korse

Der Korse

Beitragvon mike1024 am Mi 31. Dez 2014, 00:34

Der Korse

Miezka und Edward sind wieder einmal auf dem Balkon.
„Miezka,“ fragt Edward, „ist es wahr, dass wir Katzen den Menschen immer wieder geholfen haben?“
„Ja, das haben wir, doch meistens im Verborgenen. Und wir haben schon oft etwas getan um schlimmeres bei den Menschen zu verhindern, nur wissen die Menschen nichts davon.“
„Wirklich? Und was zum Beispiel?“
„Hmm... Da erzähle ich dir am besten die Geschichte des Korsen.“

*
Minou war auf dem Nachhauseweg. Sie hatte sich mit einigen Freunden getroffen. Im Osten war ein leichter Schein der beginnenden Morgendämmerung über dem nächtlichen Paris zu sehen. Menschen waren um diese Zeit kaum noch unterwegs, höchstens einige Wachen, aber die kümmerten sich nicht um die Katze.
In letzter Zeit war es ruhig in der Stadt geblieben, obwohl das nicht immer so gewesen war. Aber jetzt waren mehr Wachen als früher unterwegs und das machte die Strassen und Gassen für die Menschen sicherer.
Minou kümmerte das allerdings nicht, die Katzen waren davon nicht betroffen. Offensichtlich hatten die Menschen wieder einen neuen Anführer und der griff hart durch.
Wie es aussah, brauchten die Menschen, wie die Hunde, einen Anführer.
Keine Katze brauchte das, sie waren zufrieden, solange es ihnen einigermassen gut ging.
Vor langer Zeit hatte es einmal einen Aufstand unter den Menschen gegeben und das Chaos hatte geherrscht, unter dem auch die Katzen zu leiden gehabt hatten, aber das war sehr lange her.
Jetzt gab es diesen neuen Anführer, aber scheinbar waren die Menschen immer noch nicht zufrieden.
Minou bekam das schon mit, denn Colette, bei der sie lebte, war in letzter Zeit sehr traurig.
Es hing damit zusammen, dass Jean-Claude weg war.
Eines Tages waren die Soldaten gekommen und hatten ihn mitgenommen.
Minou hatte Jean-Claude einige Tage später wieder gesehen. Er war gekleidet wie die Soldaten und marschierte mit ihnen. Minou verstand das nicht.
Aber seitdem war Jean-Claude nicht mehr nach hause gekommen und Colette weinte sehr oft.
Minou versuchte, sie zu trösten, aber nicht immer gelang es ihr.
In dieser Nacht hatte sie sich auch auf dem Menschenfriedhof mit ihren Freunden getroffen.
Sie hatten sich alte Geschichten und Neuigkeiten erzählt.
Und diese Neuigkeiten waren wirklich beunruhigend.
Denn anscheinend war nicht nur Jean-Claude nicht mehr zuhause, sondern noch viel andere.
Die Katzen traf das hart, denn obwohl sie immer noch gut versorgt waren, so schlug die Niedergeschlagenheit der Menschen doch auch auf sie über.
Etienne, der rotgetigerte Kater, berichtete, dass er einen Zug Soldaten auf einem Marsch nach Norden gesehen hatte.
Es waren sehr viele, doch ihr Ziel kannte er nicht.
Das war der Vorteil der Katzen, sie beobachteten alles und wurden selbst nicht gesehen, und wenn doch, so wurden sie von den Menschen in den seltensten Fällen beachtet.
Amelie, die kleine weisse Kätzin, war in den Gärten der Residenz gewesen, in welcher der Anführer der Menschen wohnte, aber sie war sofort vertrieben worden, als jemand vom Personal sie dort entdeckt hatte. Das wurde schon öfter erzählt. Offensichtlich war der neue Anführer kein Freund der Katzen. Er kam aus dem Süden von einer Insel, die Korsika genannt wurde und dort gab es auch Katzen, also würden sie herausfinden können, warum das so war.
Einige berichteten von Kämpfen, welche die Menschen untereinander abhielten, von fürchterlichen Waffen und Tod. Da dies aber in weiter Ferne stattfand, betraf es sie hier nicht.
Duchesse hatte interessante Neuigkeiten.
Sie lebte bei Joelle. Aber Joelle war krank geworden und konnte Duchesse nicht mehr versorgen. Die Nachbarn schauten zwar nach Joelle, aber die Katze beachteten sie nicht. Duchesse war daher viel in den Strassen unterwegs, vor allen um Mäuse und Ratten zu jagen und so etwas in den Magen zu bekommen. Und sie erfuhr dadurch immer Neuigkeiten.
So wusste sie zu berichten, dass die Menschen im Norden der Stadt ein grosses Lager eingerichtet hatten. Ziemliche Mengen von Lebensmittel waren dort gehortet. Und es gab dort Scharen von Mäusen, man musste sich nicht einmal besonders anstrengen.
Minou beschloss, demnächst diesem Lager einen Besuch abzustatten.
Jetzt aber war sie kurz vor ihrem Zuhause und freute sich schon auf Colette.
Kurz bevor sie das Haus erreichte, hörte sie Stimmen. Da waren viele Menschen, den Stimmen nach Männer. Dazwischen hörte sie die Stimme von Colette deutlich heraus. Colette’s Stimme klang verzweifelt. Jetzt sah sie, was da los war. Die Männer transportierten die Wohnungseinrichtung ab. Vieles, was Minou geliebt hatte, der alte Sessel und das Kissen und vieles andere. Einen der Männer kannte sie, er war mehrmals bei Colette gewesen und hatte sich benommen, als würde ihm alles gehören. Er war gekleidet, wie die Leute bei denen kein Mangel herrschte. Er war Minou besonders unsympathisch. Sie traute sich aber nicht näher heran, denn die Männer machten einen Riesenlärm und hätten sie wahrscheinlich sowieso verscheucht. Alles wurde auf einen grossen Wagen geladen, der kurz darauf abfuhr. Colette wurde von den Männern sehr unsanft auf einen weiteren Wagen gestossen und auch dieser fuhr danach ebenfalls weg.
Die Katze verstand das Gesehene nicht. So sass sie vor der Haustüre und wartete, dass Colette wiederkäme. Aber sie kam nicht. Es wurde Mittag und der Himmel hatte sich zugezogen. Ein leichter Nieselregen begann. Minou versuchte, sich in den Schutz des Hauseinganges zurückzuziehen, aber der Regen erreichte sie trotzdem. So sass sie völlig durchnässt vor dem Haus und wartete. Und Colette kam immer noch nicht.
Langsam begann es zu dämmern und die Katze wartete immer noch auf Colette und sie hatte riesigen Hunger.
Mit einem Mal hatte sie einen bekannten Geruch in der Nase. Da sah sie Kasimir, wie er an einer Hauswand entlangschlich. Kasimir hatte sie entdeckt und kam näher. Er sah, dass Minou ganz niedergeschlagen war und rieb sich an ihr, nachdem sie sich nach Katzenart begrüsst hatten. Da Minou sowieso nicht wusste, was sie jetzt tun sollte, ging sie einfach mit ihm.
Irgendwann in der Nacht erwischten sie einige Mäuse und danach machten sie sich zum Friedhof auf. Einige Freunde waren schon da. Minou berichtete, was passiert war und erfuhr, dass so etwas immer wieder vorgekommen war. Wenn die Männer von den Soldaten geholt wurden, um mit ihnen mitzumarschieren, hatten die Frauen oft nicht mehr genug zum leben und wurden irgendwann auch abgeholt. Die Katzen traf das hart. Es waren einige hier, die dieses Los getroffen hatte.
Es gab zwar genug Mäuse und Ratten, aber das Leben war hart ohne ein Zuhause und irgendwann würde der Winter kommen. Aber dieses Lager, von dem Duchesse berichtet hatte, schien einen Ausweg zu bieten. Anscheinend waren viele Menschen dort, aber das war kein Problem.
Minou beschloss, dieses Vorratslager der Menschen zu suchen. Vielleicht würde sie auch Colette oder Jean-Caude wiederfinden. Duchesse würde mitkommen, denn sie wusste den Weg.
Heute nacht würde sie aber hier auf dem Friedhof ein Plätzchen suchen und sich erst am nächsten Morgen auf den Weg machen. Unter dem Vordach einer kleinen Kapelle waren sie einigermassen vor dem Nieselregen geschützt, aber trotzdem war es sehr unangenehm dort.
Am Morgen liess der Regen nach und Duchesse wollte sich mit Minou auf den Weg machen. Duchesse würde nur bis zum Stadtrand mitkommen und später Minou folgen.
Sie wollten gerade loslaufen, als sie Celine zwischen einigen Gräbern auf sie zuschleichen sahen. Celine war einige Tage weg gewesen, sie wollte sehen, ob sie irgendwo Neuigkeiten erfahren konnte. Und sie wusste einiges zu berichten.
Celine hatte Katzen getroffen, die aus dem Süden stammten. Da gab es Gerüchte, dass der Anführer der Menschen vor sehr langer Zeit, als er noch ein Kind war, von einer Katze ziemlich schmerzhaft gekratzt worden war. Seitdem hätte er eine Furcht vor ihnen, obwohl die unbegründet war. Das berührte die Katzen nicht direkt, jedoch betraf es den Anführer der Menschen und das konnte daher durchaus auch Auswirkungen auf das Katzenvolk haben.
Ausserdem berichtete Celine, dass es den Menschen im Land immer schlechter ging und damit auch den Katzen. Viele hatten kein Zuhause mehr und mussten in den Städten oder den Wäldern überleben. Nur dort, wo Soldaten waren, ging es etwas besser, doch die Soldaten vertrieben Katzen, wenn sie eine sahen. Sie handelten wohl auf Befehl des Anführers. Da die Katzen sich jedoch gut verstecken konnten und auch sonst meist ungesehen umherstreifen konnten, war es das geringste Problem, in ihr Lager zu kommen, ohne entdeckt zu werden.
Spät nach Mitternacht, als der Nieselregen nachgelassen hatte, machten sich Minou und Duchesse auf den Weg. Die Strassen waren wie ausgestorben. In ganz Paris trauten sich die Menschen nachts nicht mehr auf die Strasse. Am Stadtrand lief Minou alleine weiter, Duchesse wollte noch abwarten, ob noch weitere Nachrichten eintreffen würden.
Zum Lager, der Soldaten war es ein weiter Weg. Er führte nach Norden, weit über Wiesen und Felder. Minou erreichte das Lager erst im Morgengrauen.
Unmengen von Zelten waren aufgebaut, zwischen ihnen Soldaten in ihren bunten Uniformen und viele Pferde. Auch einige wenige Hunde waren zu sehen. Minou wollte sich jetzt nicht ins Lager schleichen, sie würde mit Sicherheit vertrieben werden. Also würde sie einfach auf eine günstige Gelegenheit warten. So versteckte sie sich unter einem Gebüsch.
Immer mehr Soldaten und Pferde versammelten sich in dem riesigen Lager und so langsam beruhigte sich das Durcheinander. Es begann schon zu dämmern, als Duchesse zusammen mit Celine und Kasimir eintrafen. Eine Weile beobachteten sie noch das Treiben in dem Heerlager, dann beschlossen sie, ins Lager zu schleichen. Vielleicht war ja irgendwo etwas leckeres zu finden, denn bei einer solchen Ansammlung von Soldaten gab es immer ein grosses Zelt mit Essbarem. Vorsichtig schlichen die vier Katzen zwischen den Zelten. Die Soldaten waren damit beschäftigt, ihre Waffen zu putzen oder sie tranken und sangen, so dass sie die Katzen nicht sahen. Hin und wieder waren auch Wagen abgestellt. Aus einem davon roch es verführerisch. Also beschlossen sie, das Innere zu inspizieren. Zwei kurze Sprünge und sie waren auf dem Wagen. Dieser war mit einer Plane bedeckt, doch die war nur lose festgeschnürt, so dass die Katzen kein Problem damit hatten, darunter zu kriechen.
Minou schaute sich um. Fässer und Kisten waren da, aber es roch auch verführerisch nach Fleisch. An einem Seil an der Wagendecke hingen grosse Fleischstücke, doch die Katzen sahen keine Möglichkeit, da schnell und vor allem unentdeckt hinaufzukommen. Also verliessen sie wieder den Wagen, vielleicht konnten sie später an das Fleisch kommen. Wieder begann es leicht zu regnen und die Katzen mussten einen trockenen Platz finden. Auf einem der Wagen waren Decken und Kleidung und dazwischen rollten sich die Katzen ein und waren bald im Schlaf versunken.
Minou wurde von einem Rumpeln und Schütteln geweckt. Was war das?
Sie wurde fürchterlich durchgeschüttelt und von aussen waren die Hufe vieler Pferde zu hören. In ihrer Panik versteckte sie sich zwischen einige Säcken, doch das Gerüttel und Rumpeln hörte nicht auf. Duchesse, Celine und Kasimir waren auch dort, denn es war das einzige Versteck, das einigermassen Sicherheit versprach. Wie lange sie so in ihrem Versteck geblieben waren wussten sie nicht, doch irgendwann war alles wieder still. Langsam, ganz langsam kam Minou als erste wieder hervor. Sie suchte nach einem Durchschlupf nach draussen und fand auch einen nach kurzer Zeit.
Als sie sich nach draussen schieben wollte, bekam sie einen mächtigen Schreck.
Sie sah direkt auf den Kopf eines Grossen Pferdes, das völlig unbeeindruckt aus einem umgehängten Sack frass. Das Pferd hatte sie nicht bemerkt, trotzdem wich Minou wieder in den Wagen und in ihr Versteck zurück. Doch langsam bekamen alle vier Katzen Hunger. Nach draussen konnten sie nicht, dort war immer noch das Pferd zu hören.
Doch der Hunger begann immer mehr in ihnen zu nagen.
Sie würden jetzt auf jeden Fall einen Ausfall machen, ungeachtet des Pferdes. Denn eigentlich waren Pferde ja für sie nicht wirklich gefährlich, es war nur der Schreck gewesen, der sie flüchten ließ. Es regnete nicht mehr und die Katzen schlichen sich ganz vorsichtig nach draussen. Das Pferd schlief und zuckte manchmal mit den Ohren.
Sonst war es still im Lager.
Nach kurzer Zeit hatten sie den Wagen mit dem Fleisch gefunden und kletterten hinein.
Das Fleisch hing immer noch an der gleichen Stelle von der Wagendecke.
Also versuchten sie innen an der Plane hochzuklettern, um an das aufgehängte Fleisch zu kommen.
Nach einiger Zeit gelang ihnen das auch und da sie jetzt wussten, wie es ging, würden sie das nächste Mal blitzschnell sein. Vorläufig blieben sie auf dem Wagen. Niemand bemerkte, dass der Tross vier ungebetene Mitreisende und Mitesser hatte. Erst in der zweiten Nacht trauten sie sich vom Wagen. Es gab zwar kaum jagbare Beute, der Tross vertrieb alles, doch sie fanden mehr als genug essbares bei den Soldaten. Not brauchten sie jetzt nicht mehr zu leiden.
Den Wagen hatten sie inzwischen als so etwas wie eine Notunterkunft auserkoren.
So blieben sie also trotz der unangenehmen Reise bei den Soldaten. Am sechsten Tag marschierte das Heer nicht mehr, sondern schlug noch vor der Mittagszeit ein Lager auf.
Die Soldaten hatten ihre Waffen abgestellt und schienen angespannt auf etwas zu warten.
Einige begannen zu trinken und waren in Feierlaune.
Minou wollte jetzt die Umgebung erkunden. Wo sie eigentlich waren, wusste sie nicht.
Die Soldaten feierten immer ausgelassener und lauter, dort wollte sie nicht vorbeigehen. Sie suchte einen ruhigeren Platz, doch das Heerlager war riesig. Endlich kam sie an den Rand des Lagers. Dort war es ruhig. Pferde grasten und es waren nur wenig Soldaten dort. Sie waren auch anders gekleidet, mit mehr glitzernden Dingen an der Kleidung. Sie benahmen sich auch anders, nicht so laut und nicht so hektisch. Auch die Zelte waren grösser und sahen ein wenig anders aus.
An einer Stelle stand ein grosses Zelt. Minou wollte dieses später inspizieren, denn aus einem der anderen Zelte roch es verlockend. Vorsichtig schaute sie durch den Eingang. Einige der Soldaten saßen um einen Tisch, sie waren offensichtlich beim Essen. Einer davon war ein kleiner Mann. Aus den Berichten und Erzählungen der anderen Katzen wusste sie, wer dieser Mann war. Es war der Mann von der Insel Korsika der jetzt der Anführer der Menschen war. Minou betrachtete ihn genau. Er war kleiner als die anderen und obwohl seine Kleidung nicht von so vielem Glitzerzeug wie bei den Anderen behangen war, war sie doch irgendwie würdevoller. Auffällig war auch die einzelne Haarsträhne, die ihm in die Stirn ragte. Und dieser Mann strahlte eine ziemliche Autorität aus, jedenfalls kam es der Katze so vor. Er wirkte, als wäre er zum Anführer geboren.
Bis jetzt war sie von den Soldaten nicht gesehen worden, also würde sie sich bemerkbar machen. Sie wusste, was sie zu tun hatte, bei Colette hatte das immer funktioniert. Sie begann eine Betteltour, denn das Fleisch roch zu verführerisch.
Doch diese Betteltour verlief nicht so, wie sie es gewohnt war. Sonst hatte sie immer Erfolg damit und bekam einen Happen, doch diesmal war es anders.
Einer der Soldaten sah sie. „Un Chat, un Chat!“ wurde laut gerufen und es gab eine riesige Aufregung. Minou sah gerade noch, wie sich der Korse vom Tisch erhob und sich mit panischem Gesichtsausdruck rückwärtsgehen in einen Winkel des Zeltes flüchtete. Die Anderen riefen laut durcheinander. Sie hatten ihre Säbel gezogen in kamen auf Minou zu. Das war zuviel!
Sie flüchtete aus dem Zelt und wollte sich nur noch verstecken.
Nur weg hier. Da war dieses grosse Zelt, kein Licht war darin, also auch keine Menschen.
Minou huschte ungesehen hinein und versteckte sich hinter eine Truhe. Von weitem konnte sie immer noch das Geschrei und die Aufgeregten Soldaten hören. In diesem Versteck kam sie endlich zur Ruhe. Sie war erschöpft, rollte sich zusammen und schlief sofort ein.
Ein Geräusch weckte sie. Draussen war es bereits Nacht. Minou spitzte die Ohren und versuchte zu erkennen was los war.
Drei Menschen waren in das Zelt gekommen, zwei der Soldaten und der Korse.
Sie redeten lange miteinander und die Katze blieb in ihrem Versteck. Dann verließen die beiden Soldaten das Zelt. Nur der Anführer blieb zurück. Er beugte sich über einen Tisch und begann Papiere zu studieren. Minou kannte so etwas. Colette und Jean-Caude hatten das auch manchmal gemacht, nur mit viel kleineren Papieren. Minou verstand nicht, zu was gas gut sein sollte, doch sie beobachtete einfach weiter.
Der Anführer hatte schon zu Beginn seine Jacke abgelegt und über einen Stuhl gehängt.
Eigentlich sah er nicht so gefährlich aus.
Daher fasste Minou Mut und verließ ihr Versteck.
Der Korse bemerkte sie nicht.
Erst als er nach einem Glas mit einer roten Flüssigkeit griff, sah er, dass da eine Katze war.
Er wurde ganz bleich im Gesicht und erstarrte.
Minou schaute fragend zu ihm hoch.
Der Anführer zitterte und war anscheinend nicht in der Lage seine Soldaten zu rufen.
Sein Gesichtsausdruck war von Panik gezeichnet.
Minou konnte das nicht begreifen. Da stand dieser Mann, von dem sie wusste dass er den Tod nicht fürchtete, und unerschrocken unter dem lautesten Kanonendonner in die Schlacht zog, und hatte panische Angst vor einer kleinen Katze. Natürlich konnte Minou kämpfen und auch einen Menschen ziemlich zurichten, doch nur, wenn sie gereizt oder angegriffen wurde.
Das war hier nicht so, warum also hatte der Mann solche Panik vor ihr? Es gab keinen Grund, ihm etwas anzutun. Dann erinnerte sie sich an die Erzählungen der Katzen. Dieser grosse Anführer hatte seit seiner Kindheit Angst vor Katzen, seit er damals von einer Katze böse zerkratzt worden war. Keinen Ton brachte der Korse hervor, nur ein leises Krächzen, während er Minou mit geweiteten Augen anstarrte.
Die blieb einfach sitzen.
Nun haben Katzen eine Geduld, welche ein Mensch niemals aufbringen konnte.
Die Nacht war schon weit fortgeschritten. Der Korse hatte sich langsam zu einem Stuhl geschoben und hingesetzt, ohne die Katze dabei aus den Augen zu lassen.
Minou roch eine Mischung aus Furcht und Müdigkeit.
Doch so, wie es aussah, traute er sich aus Angst vor ihr nicht, einzuschlafen.
Die Situation war schon ein wenig verrückt, da saß sie, eine Katze, die eigentlich nur auf der Suche nach Futter war und der Anführer dieses riesigen Heeres, der nicht mehr klar denken konnte aus Furcht und vor Müdigkeit.
Nun hatte Minou genug vom Sitzen und wollte das Innere des Zeltes erkunden. Von dem Menschen ging ja keine Gefahr aus. Doch das machte alles nur noch schlimmer für diesen.
Während Minou nun ganz ohne Scheu hierhin und dorthin schnüffelte, bekam der Anführer Schweissausbrüche und zitterte am ganzen Körper. Stunden waren vergangen und er hatte immer noch keinen Ton herausgebracht. Sonst wäre es ein leichtes gewesen, seine Soldaten zu rufen.
Langsam, ganz langsam wurde es draussen heller. Ein neuer Tag hatte begonnen.
Der Anführer hatte nicht geschlafen in dieser Nacht, so gross war seine Furcht vor der Katze.
Diese hatte inzwischen das ganze Zelt ausgiebig inspiziert und festgestellt, dass es hier drin zwar interessant war, jedoch nicht das geringste Bisschen Futter zu finden war.
Also marschierte sie, ohne den zitternden Korsen eines weiteren Blickes zu würdigen, einfach aus dem Zelt hinaus. Die Soldaten schliefen noch, daher gelang es ihr, ungesehen zu dem Wagen mit den anderen Katzen zu gelangen.
Um die Mittagszeit wurden sie von Kanonendonner aufgeschreckt.
So etwas hatten die Katzen noch nicht erlebt. Überall war Donner, knallen, Feuer, Rauch und Geschrei. Irgendwann gab es einen Ruck und eine Kanonenkugel schlug dicht bei dem Wagen ein.
Jetzt hielte es die vier Katzen nicht mehr aus. Sie flüchteten aus dem Wagen und rannten um ihr Leben den Hügel hinauf auf den Wald zu. Oben auf dem Hügel waren Pferde mit Reitern.
Auf einem der Pferde saß der Korse. Die Anderen redeten auf ihn ein, doch so wie es aussah, redete er jetzt nur noch Unsinn, offensichtlich konnte er nicht mehr klar denken. Die schlaflose Nacht mochte daran schuld sein. Endlich erreichten sie den Wald. Natürlich war es jetzt auch hier gefährlich, doch ein besseres Versteck konnten sie nicht finden.
Irgendwann hörte der Kanonendonner und die Schießerei auf und eine Grabesstille senkte sich über das Schlachtfeld. Überall lagen Tote und langsam konnte man das Stöhnen der Verletzten in der Stille hören. Minou, Duchesse, Celine und Kasimir wollten nur noch weg von hier.
In der Ferne waren Häuser und Gehöfte zu sehen, dorthin würden sie gehen.
Sie hatten genug von den Soldaten und ihrem Krieg und wollten nur noch in Frieden leben.
Also machten sie sich auf den Weg.
Am nächsten Morgen erreichten sie die Ortschaft. Da war ein Gestrüpp, neben dem die Menschen einen Pfahl mit einem Schild in den Boden gerammt hatten.
Die Katzen können nicht lesen, doch wenn sie es gekonnt hätten, dann hätten sie den Namen der Ortschaft erfahren: Waterloo.
So waren es letztendlich die Katzen welche die letzte Schlacht Napoleon Bonapartes entschieden haben. Gekümmert hat es sie nicht, denn alles was die Katzen wollen, ist nur ein sicheres und friedliches Revier für sich und ihre Sippe.
Benutzeravatar
mike1024
Quasselkatze
 
Beiträge: 165
Registriert: 01.02.2009
Alter: 65 Männlich
Wohnort: Freiburg

Zurück zu Fotos und Erlebnisse



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste




~ Partnerseiten / Werbung ~



Weltbild ~ myToys ~ Snapfish ~ Pixum