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Nacht und Schatten

Nacht und Schatten

Beitragvon mike1024 am So 28. Dez 2014, 19:30

Nacht und Schatten

Nachts sind alle Katzen grau, so lautet ein Sprichwort.
Doch so genau will ich das ja nicht bestätigen.
Schwarz ist eher zutreffend.
Man könnte das ja als neue Flagge kreieren.
Also sozusagen schwarzer Kater auf schwarzem Grund....

*
Nun denn, es ist Ende März und der Frühling steht vor der Tür.
Natürlich wird es immer noch früh dunkel, doch nicht mehr so bald wie im Winter.
So langsam sollte ich also daran gehen, meinen Wohnbereich von Winter auf Frühjahr umzustellen. Dazu gehört auch der Balkon.
Die Biologie ist, wie jedes Jahr, ihrem Trieb gefolgt und hat eine Kletterpflanze vom Balkon unter mir hier hochwachsen lassen. Nun sind die mittlerweile verdorrten Ranken um das Balkongeländer gewickelt und sollten dringend entfernt werden.
Zu diesem Behufe mache ich mich mal an die Arbeit. Die Balkontüre ist zu, also kann ich ohne Bedenken das Katzennetz entfernen. Edward jedenfalls sitzt innen auf der Fensterbank und schaut durch das Glas interessiert meinem obskuren Treiben zu.
Warum macht Dosi das weg? Da könnte man doch herrlich damit spielen.
Ja, Kater zuschauen darfst du gerne, aber raus ist nicht!!!
Dann wird erst mal das dürre Zeug kleingeschnitten und in einen Abfallsack verfrachtet.
Diese Arbeit ist nicht schwer, aber zeitaufwändig. Denn mittlerweile ist es dunkel geworden und ich muss im Schein der Balkonbeleuchtung weitermachen.
Ein Problem ist das nicht, wer mit dem nachtsichtigen Volk zusammenlebt, dem wachsen sowieso früher oder später Fell und Krallen und die Dunkelheit wird zum Tag.
Endlich ist fast alles in zwei Säcken verstaut.
Unglaublich, wie viel Platz doch so dünne Ranken benötigen, wenn sie erst einmal zu trockenem Bioabfall konvertiert sind.
Jedenfalls muss jetzt nur noch der Balkonboden zusammengefegt werden, dann ist Feierabend. Nur den kleinen Besen und eine Schaufel muss ich noch holen. Dieses für mein Unterfangen eminent wichtige Handwerkszeug habe ich nämlich noch in der Abstellkammer stehen.
Eigentlich hätte ich es gleich auf den Balkon bringen können, aber war es Faulheit oder Alzheimer...?
Jedenfalls brauche ich es jetzt, also muss es geholt werden.
Es dauert nicht mal eine Minute und als ich zurückkomme, sitzt Edward nicht mehr auf der Fensterbank. Ihm war's wohl zu langweilig und er hat sich auf einen seiner Lieblingsplätze zurückgezogen. Nichtsahnend trete ich auf den Balkon und da trifft mich fast der Schlag!
Der Schwarzbepelzte balanciert auf dem Balkongeländer!
Er muss durch die Balkontüre hinaus gehuscht sein, als ich sie geöffnet habe um mein Handwerkszeug zu holen.
Er schaut mich nur an, recht vorwurfsvoll, wie mir scheint und mit sichtlich schlechtem Gewissen, doch er springt sofort vom Geländer.
Doch leider in die falsche Richtung.
Er ist mit einem mächtigen Satz auf dem Balkon schräg unter mir gelandet.
Dort sehe ich ihn sitzen und zu mir hoch miauen.
Was mach ich jetzt? Eigentlich kann ich nur runterlaufen, dort klingeln und hoffen, dass jemand da ist.
Edward jedenfalls schaut immer noch zu mir hoch und miaut. Es klingt keinesfalls kläglich, eher abenteuerlustig! Na, das kann ja was geben.
Bevor ich meinen Entschluss in die Tat umsetzen kann ist das schwarze Untier dort unten auch auf das Geländer gesprungen und mit einem weiteren Satz in der Dunkelheit verschwunden. Sehen kann ich ihn jetzt nicht mehr, aber ich habe gehört, wo er gelandet ist
Denn noch ein Stück weiter unten beginnt das Erdgeschoss. Und eben dieses hat einen mit Kies aufgeschütteten Vorbau. Das Geräusch, wie der Kater auf dem Kies aufgekommen ist, war eindeutig. Einige Sekunden später höre ich wieder ein "Miau", aber etwas weiter weg.
Edward will wohl diese für ihn unbekannte Gefilde erkunden.
Gute Güte, was mache ich nur? Wie soll ich in der Nacht einen lautlos schleichenden schwarzen Kater finden? Und was mach ich, wenn er vom Vordach auf den Gehweg springt und auf die Strasse läuft?
Irgendwie kommt jetzt Panik auf.
Von oben kann ich nicht auf das Vordach klettern, wie auch?
Es bleibt nur, die Leiter aus dem Keller zu holen und von unten auf das Vordach zu klettern.
Und die Hoffnung, dass der schwarze Edward derweil nicht ausbüxt.
Egal, ab in den Keller! Doch halt, so was muss überlegt sein! Also muss das Katzengeschirr und die Leine mit. Ausserdem stecke ich ein paar Leckerlies in die Tasche.
Der Gehweg steigt auf einer Seite leicht an, so dass ich von da aus besser auf das Dach kann.
Im Erdgeschoss sind verschiedene Geschäfte, die mit ihrer Werbebeleuchtung eben dieses Erdgeschoss genügend beleuchten. Was aber nun für den ebenerdigen Teil der Hausfront durchaus von Vorteil ist, macht den Teil darüber zu absoluten Dunkelzone. Jedenfalls kann ich nichts erkennen.
Doch vielleicht ist etwas zu hören. Und wirklich, da ist ein leises Miauen und jetzt klingt es wirklich kläglich. Edward will zurück, also werde ich ihn holen.
Und so bewege ich mich auf das Miauen zu.
Fehler, Riesenfehler, mächtig grosser Fehler!
Denn ich bin ja einiges grösser und schwerer als der Kater.
Und das ganze Vordach ist mit Kies aufgeschüttet.
Und eben dieser Kies beginnt unter meinen Schritten zu knirschen.
Edward, ob dieses ungewohnten Knirschens irritiert, flüchtet.
Er hält mich wohl für Freddy Krüger, Frankensteins Monster, Graf Dracula oder sonst irgend einen übelgesinnter Nachtmar.
Das Vordach zieht sich über die gesamte Hausbreite.
Über diese Hausbreite! Nur sind es eben mehrere zusammengebaute Wohnblocks mit ebenso zusammengebauten Vordächern.
Die gesamte Breite dürfte etwa 50-60 Meter betragen.
Und das Katertier flüchtet von Vordach zu Vordach.
Fast habe ich ihn da rennt er an mir vorbei wieder zurück. Meine Augen haben sich inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt, ich kann ihn jetzt wenigstens schemenhaft ausmachen.
Erst jetzt komme ich zum Nachdenken. Diese Hetzjagd nützt gar nichts, Edward wird immer schneller und wendiger sein.
Eine Strategie muss her!
Tja, in Meiner Tasche sind ja Leckerlies. Das sind diese Knusperleckerlies, die er so sehr liebt. Nicht so sehr wie Maultaschen, aber er liebt sie.
Ich darf nur nicht mehr auf dem Kies laufen. So kauere ich mich hin und rufe leise nach ihm.
Natürlich ist er kein Hund und wird nicht sofort angerannt kommen, doch seinem Miauen konnte ich entnehmen, dass er zurück will. In einer Hand habe ich einige der Knusperteile.
Eine gefühlte Ewigkeit kauere ich so. Langsam und sehr vorsichtig schiebt sich ein kleiner schwarzer Schatten auf meine Hand zu und schnüffelt daran.
Ein schneller Griff ins Genickfell und ich habe ihn ruhiggestellt. Widerstandslos lässt er sich das Geschirr und die Leine anlegen. Doch so wie es aussieht wäre das vielleicht nicht nötig gewesen, denn er klammert sich an mich, als wolle er mich nie wieder loslassen.
Deshalb kann ich auch ohne weitere Schwierigkeiten auf der Leiter hinuntersteigen.
In der Wohnung mag Edward gar nicht mehr von meiner Schulter.
Inzwischen ist einige Zeit vergangen. Das Katzennetz ist wieder befestigt und er darf wieder auf den Balkon.
Komischerweise begegnet er dem wieder freigegebenen Aussenbereich mit einer gehörigen Portion Misstrauen.
Vielleicht treibt dort ja doch eine Horde grauenhafter Monster ihr Unwesen.
Wer kann das schon wissen?
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mike1024
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