Fragen zu Geburt und Aufzucht von kleinen Notfellchen.
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Die häufigsten Argumente für eigene Kitten - widerlegt

Die häufigsten Argumente für eigene Kitten - widerlegt

Beitragvon Jojo am Do 17. Apr 2008, 02:19

So, aus aktuellem Anlass bin ich auf die Idee gekommen, eine Liste zu erstellen, in der die häufigsten Argumente, die immer wieder auftauchen, wenn Leute sich für die Deckung ihrer Katze rechtfertigen, zusammengefasst und auch gleich widerlegt werden. Ich denke, keiner von uns will immer wieder dasselbe runterbeten und eine Liste wird sicher auch eher gelesen als ellenlange Argumentationen (zu denen ich mich ja gern hinreißen lasse).
Ich fang mal an mit allen Pro- und Contra-Paaren, die mir einfallen. Wenn ihr noch mehr wisst, dann postet sie bitte hier, Netty oder ein Mod wird sie dann sicher am Ende zu einer vollständigen Liste zusammenfassen, die wir dann im Notfall einfach verlinken können.

1.) "Ich habe kein Geld für eine Kastration"

Die Kastra einer Katze kostet je nach TA zwischen 70 und 100 Euro. Selbst, wenn Geburt und Aufzucht der Kitten problemlos verlaufen, kommt man allein mit Entwurmung und Impfungen pro Kitten auf etwa 50-70 Euro. Dabei ist das Futter für die Kleinen und die Mutter, die besonders in der Stillzeit einen erhöhten Energiebedarf hat, noch nicht mal eingerechnet. Gibt es irgendeine Komplikation (Kaiserschnitt, die Mutter nimmt die Kitten nicht an oder hat zuwenig Milch --> Handaufzucht, Kitten oder Mutter werden krank), kommt man locker auf einige Hundert Euro. Selbst wenn man die Kitten zu einem relativ hohen Preis verkauft (mehr als 150 Euro kann man kaum verlangen), macht man bei der Aufzucht von Kätzchen immer minus.
Es folgt: Die Aufzucht von Kitten ist weitaus teurer als eine Kastration.

2.) "Meine Kitten kommen alle im Freundes- und Verwandtenkreis unter"

Das ist schön für DIESE Kleinen. Fakt ist jedoch, dass es bereits Tausende von Katzen jeglichen Alters gibt, die in Tierheimen und Pflegestellen auf ein Zuhause warten. Jeder der Kittenabnehmer im Freundes- und Verwandtenkreis könnte potentiell auch einem dieser ungewollten Katzen, die nun mal schon auf der Welt sind, ein Zuhause geben.
Es folgt: Jedes Kätzchen, das bewusst und gewollt "produziert" wurde, nimmt einer bereits geborenen, ungewollten und in Not geratenen Katze einen Lebensplatz weg.

3.) "Ich will einmal das Wunder der Geburt erleben/meine Kinder sollen einmal eine Geburt erleben"

Das ist ein nachvollziehbarer Wunsch. Allerdings sollte man aus diesem egoistischen Grund nicht seine Katze mutwillig gefährden. JEDE Trächtigkiet und Geburt ist ein großes Risiko. Wenn man gern einmal eine Tiergeburt erleben möchte, kann man sich bei einem Tierschutzverein als private Pflegestelle für eine trächtige Katze melden. Verschiedene Vereine haben verschiedene Regeln, man sollte sich deswegen einen suchen, dessen Bestimmungen einem auch zusagen. Wenn man dann eine trächtige Miez daheim hat, kann man eine Geburt miterleben und hat damit sogar noch etwas Gutes getan. Diese Kleinen kann man dann auch guten Gewissens im Freundeskreis vermitteln (wenn das der TSV zulässt).
Fairerweise sollte auch erwähnt werden, dass Katzen meist in der Nacht werfen und eine Geburt nicht unbedingt eine schöne Angelegenheit ist. Möchte man seine Kinder mitten in der Nacht für die lang erwartete Geburt wecken, damit sie Zeuge werden, wie die Katze u.U. schreit, vor Schmerzen in Kommodenknäufe beißt und leidet?

4.)"In der Natur gebären Katzen auch allein und ohne Probleme"

Jein. Einerseits stimmt es zwar schon, dass WILDKATZEN allein und relativ problemlos gebären, aber das sind wie gesagt Wildtiere. Unsere Hauskatzen, auch wenn es keine reinen oder erkennbaren Rassetiere sind, sind nicht mehr so ursprünglich und es kann damit zu Problemen kommen. Beispielsweise können viele Kitten mit perserähnlichen Näschen nicht ohne Probleme allein trinken.
Je nach Vorfahren der Katze kann es auch sein, dass rassebedingte Probleme vor/bei der Geburt auftreten. Beispiel: Eine kleine, zarte Katze, die von einem nur etwas größeren Kater gedeckt wird, kann das Pech haben, dass dieser Kater z.B. Maine Coons in seiner Ahnenreihe hat und selbst nur auf Grund einer schlechten Kindheit klein geblieben ist. Im Extremfall muss die sehr kleine Mutterkatze dann sehr große Kitten gebären (Beispiel von Samuja geklaut :cat-wink: ).
Außerdem ist es in der Natur üblich, dass junge Katzen, bevor sie selbst Mutter werden, in der Gruppe Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht bei anderen Katzen erleben. Sie sind also nicht so unvorbereitet wie Erstgebärende bei uns zu Hause, wo sie in der Regel schon von Kittenalter an ohne ältere Mutterkatzen leben.
Zu guter letzt kommt es in der Natur (gemeint sind hier verwilderte Hauskatzen) oft vor, dass einzelne oder gar alle Kitten eines Wurfes sterben. Das schwächste Kitten wird von der Mutter eher verlassen als extra gepäppelt. Das ist für die Natur eine "problemlose" Situation, sogar eine, die sinnvoll ist, denn wenn das kleinste Kitten stirbt, bleibt mehr Milch und Energie für die kräftigeren. Dennoch ist es eine Situation, die kein Katzenhalter einfach so hinnehmen würde.

So, mehr fällt mir im Moment nicht ein, ich bitte um eure Ergänzungen/Berichtigungen/Vorschläge.
LG, Julia

:cat-idea.gif: 3 = B
Zuletzt geändert von Jojo am Mo 5. Mai 2008, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.
Jojo
 

Beitragvon ninchen am Do 17. Apr 2008, 17:02

"Eine Katze muss einmal Junge bekommen, bevor sie Kastriert weden kann"
Das ist völliger Schwachsinn, eine Katze muss ja noch nicht mal rollig gewesen sein (Frühkastration). Einem TA, der das behauptet, sollte man sein Tier lieber nicht anvertrauen.
(Keine allzugute Begründung, mir viel aber nichts besseres ein :cat-wink: )

"Bei eigenen Kitten kann man sicher sein, dass sie lieb sind/Katzen aus dem Tierheim haben einen schlechten Charakter"
Eine Katze, die aus dem Tierheim kommt, kann genauso lieb und zutraulich sein, wie selbst aufgezogene Kitten. Manche sind sogar gutmütiger, weil sie oftmals besser erzogen sind als die "Nur-Ein-Wurf-Kitten" und vor allem nicht durch Menschenfehler verzogen sind.
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Beitragvon Samuja am Do 17. Apr 2008, 17:51

Unglaublich, aber was ich öfter höre:

"Katrastionen sind ein Eingriff in die Natur, den ich nicht gutheißen kann."

Sicherlich ist eine Kastration ein Eingriff in die Natur einer Katze. Allerdings erlauben wir und davon noch eine Menge mehr.
So ist in der Natur dafür gesorgt, dass eine Katze nicht öfter als 2x imJahr tragend werden kann. Durch unsere warmen Häuser kann eine Katze allerdings das ganze Jahr werfen, was zusätzlichen Stress und ausmergelung der Mutter bedeutet.
auch wenn man dafür ist, Katzen so Tiergerecht wie möglich zu halten, sind die Umstände dennoch anders als bei Wildkatzen. Und eben WEIL wir uns in das Leben unserer Katzen einmischen ist es auch eine Pflicht, eine Kastra durchführen zu lassen. (UNd somit Babys zu verhindern.)

LG Samuja
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Beitragvon samtpfoetchen am Mo 5. Mai 2008, 18:49

Zum einen hab ich noch was:

Andere lassen ihre Katzen doch auch Junge bekommen und teilweise sogar nicht nur einmal.

Nur weil andere etwas machen muss es ja nicht richtig sein. Ganz im Gegenteil, sei vernünftiger als diese Menschen und erspare deiner Katze das.
Vergleichbar ist das mit einem Menschen der Mist baut und das ja auch nicht rechtfertigen kann, damit dass andere noch viel mehr Mist bauen.



Ansonsten weil wir das Thema ja gerade hatten eine zweite Idee, der Aufklärung. Hat jemand Lust und Zeit so eine Tabelle mit Argumenten Pro und Kontra zu machen? Ich hab leider nicht die Zeit dazu.

LG Netty
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Beitragvon Jojo am Mo 5. Mai 2008, 18:52

Das offensichtlichste Argument (gerade wieder im Thread aufgetaucht):

"Die Deckung ist eine ganz normale Sache, alle Katzen hier in der Umgebung sind gesund, ergo kann meiner Katze nichts passieren".

Irrtum. Großer Irrtum. Wenn man eine unkastrierte, rollige Katze draußen herumstromern lässt, zieht ihr Duft Kater an. Einige Kater wandern sehr weit, um Kätzinnen zu finden. Es ist also durchaus möglich, dass ein fremder Kater aus dem Nebendorf oder ein ganz wildes Tier die eigene Katze unwiderstehlich finden.
Beim Deckakt werden eine Reihe von Krankheiten übertragen. Angefangen von relativ harmlosen und behandelbaren Dingen wie Flöhen oder Hautpilzen (was zwar behandelbar ist, aber eine Heidenarbeit bedeutet) über Katzenschnupfen (ja, auch trotz Impfung - es gibt viele verschiedene Virenstämme) bis hin zu unheilbaren Krankheiten wie FIP und FIV. An letzteren stirbt eine Katze früher oder später und infiziert während der Trächtigkeit auch die Kitten.
Selbst, wenn sich die Mutter nur Würmer holt, kann das schwere Probleme verursachen.
Selbst, wenn die Katze nur von Katern gedeckt wird, deren Besitzer man kennt oder ausfindig machen kann (was man kaum feststellen kann, da eine Katze sich mit vielen Katern paart), bedeutet allein die Tatsache, dass diese ihren unkastrierten Kater allein draußen herumlaufen lassen, dass die Tiere vermutlich gesundheitlich nicht so gut überwacht werden wie es wünschenswert wäre.
FIP und FIV übertragen sich auch bei Revierkämpfen, die unter unkastrierten Katern an der Tagesordnung sind. Das heißt, die Besitzer müssen noch nicht mal wissen, dass ihr Kater krank ist.

"Gut, dann besorge ich mir einen Deckkater, es werden ja viele angeboten."

Stimmt wohl leider. Aber auch hier ist eine Gefährdung der Katze keineswegs auszuschließen.
Außer, wenn man eine Rassekatze mit Papieren und Zuchtberechtigung hat und außerdem Mitglied in einem Zuchtverein ist, wird einem kein seriöser Züchter einen Deckkater zur Verfügung stellen. Das macht er zum Schutz seiner eigenen Katzen.
Es folgt daraus, dass man einen Deckkater nur von privat oder einemn Schwarzzüchter bekommen kann.
Keiner dieser Kater wird auf die verschiedenen Erbkrankheiten getestet sein. Man riskiert bei einer Deckung mit so einem Kater, der äußerlich durchaus gut gepflegt und gesund sein kann, dass die Kitten im frühen Alter jämmerlich verenden (z.B. an HCM, PKD, HD oder Ähnlichem). Normalerweise kennt man noch nicht mal die Blutgruppe des Katers. Bei einer Blutgruppenunverträglichkeit sterben alle Kitten qualvoll innerhalb der ersten Woche.
Hinzu kommt der Inzestfaktor, der bei Hauskatzen nicht ermittelt werden kann, da sie keine Stammbäume haben. Im "besten" Fall führt ein hoher Inzestfaktor zu einem schwachen Immunsystem, im schlimmsten Fall zu Missbildungen bei den Kitten, z.B. einem offenen Rücken oder einer offenen Bauchdecke. Dann kommen die Kitten lebend mit heraushängenden Organen auf die Welt und müssen eingeschläfert werden.
Andere Missbildungen sind auch nicht selten (Vorsicht: Foto könnte verstörend wirken, es zeigt ein einäugiges Kitten) http://jimmyakin.typepad.com/defensor_f ... lops_.html
Da ich kein Züchter bin, kenne ich nicht alle Probleme, die bei unpassenden Elterntieren entstehen können. Es werden noch weitaus mehr sein. Fakt ist jedoch, dass man als Züchter nicht ohne Grund ein fundiertes Fachwissen in Genetik haben muss.
Jojo
 

Re: Die häufigsten Argumente für eigene Kitten - widerlegt

Beitragvon Claudia am Sa 7. Mär 2009, 13:22

Hallo,

super das sich endlich ein Forum gefunden habe, dass sich gegen gewollte Vermehrung richtet.

Eine Kommolitonen hat mich mal gefragt, ob meine Katzen kastriert sind. Sie wollte ihre decken lassen, weil sie gehört hat, dass die Krebswahrscheinlichkeit geringer wird. Ich habe ihr geraten, ihren Tierarzt zu fragen.
Kann jemand diese Argument widerlegen?
Claudia
Kitten
 
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Nicht angegeben

Re: Die häufigsten Argumente für eigene Kitten - widerlegt

Beitragvon rubytuesday am So 8. Mär 2009, 13:08

Ich hab schon einige male im TV von Tierärzten gehört, das eine Kastration von Hunden oder Katzen Geschwüre an Milchleisten oder Prostata verhindert hätten.

lg Sindy
rubytuesday
 

Re: Die häufigsten Argumente für eigene Kitten - widerlegt

Beitragvon Herr Frodo am Di 10. Mär 2009, 10:24

Nein, Bianca,
ich hatte sowas auch mal vom Tierarzt gehört! (Bei Hunden soll das ja ganz ähnlich sein)
ist doch eigentlich sogar logisch, wenn man sich den Zyklus der Katzen mal anguckt...
Trotzdem, ist es ja immer ein Eingriff, der OHNE medizinischen Grund gemacht wird und da versuchen vielleicht Leute, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen wollen, immer einen Grund zu finden um die Sache an sich "schlecht " zu reden. Sie übersehen dabei, was für eine Qual, die dauerrollige Kätzin erleidet und unter welchem "Druck" der dauerbrünstige Kater steht.. und dichten den Tieren sogar menschliches Denken an. Ich hab schon so oft Sprüche wie :Ich will ihn doch nicht zum Krüppel machen lassen, oder :Er soll seinen Spass haben gehört.. :cat-mad:
LG. Ute. :cat-wave:
Herr Frodo
 

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